Nach dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit bei den Parlamentswahlen in der Türkei ist für die AKP kein Koalitionspartner in Sicht. Der Chef der größten Oppositionspartei CHP, Kemal Kılıçdaroğlu, sagte CNN Türk nach Angaben des Senders in einem Telefonat: „Das Volk sagt: Einigt euch, aber in diesem Bild gibt es keine AKP.“ Die MHP kündigte für Mittwoch Beratungen an. Der Vorsitzende der pro-kurdischen HDP, Selahattin Demirtas, bekräftigte am Dienstag: „Wir werden uns an keiner Koalition beteiligen, in der die AKP vertreten ist.“

Die AKP kam am Dienstag zu Beratungen in Ankara zusammen. Über Ergebnisse wurde zunächst nichts bekannt. Zwei Tage nach der Wahl trat AKP-Chef Ahmet Davutoğlu in einer Routineprozedur von seinem Amt als Ministerpräsident zurück. Davutoğlu bleibt aber auf Bitten von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan kommissarischer Ministerpräsident bis zur Bildung einer neuen Regierung. Es wird damit gerechnet, dass er in den nächsten Tagen den Auftrag bekommt, eine Regierung zu bilden. Kommt es in 45 Tagen nicht zu einem Ergebnis, werden Neuwahlen ausgerufen.

Nach dem Wahlerfolg der pro-kurdischen HDP kam es in Diyarbakır derweil zu tödlichen Zusammenstößen verfeindeter Gruppen. Ein Polizist vor Ort sagte einem dpa-Reporter, drei Menschen seien getötet worden. Vier Journalisten seien verletzt worden.

Die Nachrichtenagentur DHA meldete, zunächst sei der Vorsitzende einer islamischen Wohlfahrtsorganisation erschossen worden. Augenzeugen berichteten, danach sei es zu Zusammenstößen von Anhängern der Jugendorganisation der terroristischen PKK und der Partei Hüda-Par gekommen. Dabei seien zwei Menschen getötet worden. Die HDP verurteilte das Attentat auf den Chef der Organisation. Die HDP steht der PKK nahe.

Die PKK griff am Montag auch einen Posten der türkischen Armee in der Grenzstadt Hakkâri an. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. (dpa/dtj)