Ein bekanntes Bild: Medizinisches Personal im Istanbuler Stadtkrankenhaus Başaksehir. Foto: dpa

In der Türkei wurden die Corona-Regeln massiv verschärft. Die Regierung hat einen Teil-Lockdown verhängt und droht mit noch härteren Maßnahmen. Alle Details zu den neuen Beschränkungen.

Seit Freitag gilt in der Türkei ein Teil-Lockdown. Wegen steigender Corona-Infektionszahlen ließ Präsident Recep Tayyip Erdoğan Restaurants und Cafés schließen. Am Wochenende gelten nächtliche Ausgangssperren. Von freitags um 20 Uhr bis sonntags um 10 Uhr vormittags gibt es eine generelle Ausgangssperre.

Ältere und Junge trifft es noch härter: Über 65-Jährige dürfen lediglich an Werktagen und zwischen 10 und 13 Uhr ihre Wohnungen verlassen, unter 20-Jährige nur noch von 13 bis 16 Uhr. Nicht lebensnotwendige Geschäfte sind im Normalfall geschlossen. Der Unterricht an Schulen wird bis mindestens Ende des Jahres virtuell oder von daheim durchgeführt.

Warnschilder an Häusern von Corona-Infizierten

Überdies sollen je nach Lage in den einzelnen Provinzen Warnhinweise an Häusern von Corona-Infizierten angebracht werden. Das schreibt die deutsche Online-Ausgabe der Tageszeitung „Hürriyet“. Das Betreten für Außenstehende soll in diesem Fall verboten.
Der Zeitung zufolge gelten die neuen Regelungen erst einmal 15 Tage. Danach bewertet die Regierung in Ankara die Lage neu. Offenbar sind noch schärfere Corona-Maßnahmen eine Option. Dann drohen laut Hürriyet Ausgangssperren rund um die Uhr am Wochenende und teilweise wohl auch an Werktagen. Einigen Oppositionsparteien geht schon die jetzige Regelung nicht weit genug.

Lockdown ist Türken bereits bekannt

Wie gravierend die Pandemie das 83-Millionen-Land trifft, lässt sich schwer einschätzen. Die Regierung gibt nur die tägliche Zahl der Infizierten mit Symptomen an. Etwa 11.000 Menschen sind nach offiziellen Angaben bislang an oder mit Covid-19 gestorben. Aber auch an diesen Zahlen gibt es deutliche Zweifel. Ankara soll die Corona-Statistiken geschönt haben (DTJ-Online berichtete).

Für die Türken ist der Lockdown, der auch in den sozialen Medien die Timelines dominiert, nichts Neues. Bereits im April und Mai hatte die Regierung das öffentliche Leben stark heruntergefahren. Auch Ausgangssperren und Reisebeschränkungen traten damals in Kraft. Anfang Juni wurden die Maßnahmen weitestgehend aufgehoben.