Das russische S-400-Raketenabwehrsystem ist schon seit langem ein Streitthema unter den Nato-Partnern. Kuleshov Oleg / Shutterstock.com

Erst Ende 2020 verhängten die USA Sanktionen gegen den Nato-Verbündeten Türkei. Grund war der Kauf des russischen Raketenabwehrsystems S-400, welches die USA als Gefahr für die Nato sehen. Ankara sieht das anders.

Trotz eines Streits mit den USA um den Kauf des russischen Raketenabwehrsystems S-400 erwägt die Türkei, eine weitere Ladung zu erwerben. Auf die Frage eines türkischen Journalisten, ob der Kauf weiterer S-400 infrage komme, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, man habe diesbezüglich „keine Bedenken“, wie die staatliche Nachrichtenagentur „Anadolu“ am Sonntag berichtete. Er werde das Thema auf seiner nächsten Russlandreise besprechen. Erdoğan äußerte sich auf dem Rückflug von einer Auslandsreise vor türkischen Journalisten.

Der Chef des staatlichen russischen Waffenexporteurs Rosoboronexport, Alexander Michejew, hatte bereits vor einigen Tagen gesagt, dass die Verhandlungen mit der Türkei bezüglich des Kaufs weiterer S-400 vor dem Abschluss stünden. „In naher Zukunft werden wir und unsere Partner damit beginnen, einen Vertrag aufzusetzen und zu unterzeichnen“, so Michejew.

Streit unter Nato-Verbündeten

Die Nato-Verbündeten USA und Türkei streiten seit langem über den Kauf des russischen Abwehrsystems. Die USA hatten im vergangenen Jahr noch unter dem früheren US-Präsidenten Donald Trump wegen des S-400-Kaufs Sanktionen gegen den Nato-Bündnispartner Türkei verhängt.

Die USA sehen die russische Raketenabwehr als Gefahr für die Nato. Sie fürchten etwa, dass Russland über das empfindliche Radar des S-400-Waffensystems an Daten über die Tarnkappenfähigkeiten des F-35-Kampfjets gelangt. Wegen des Rüstungsdeals mit Moskau hatten die USA die Türkei bereits aus dem F-35-Programm ausgeschlossen. Ankara war Partner beim Bau des Jets und wollte zahlreiche Flugzeuge kaufen. Ursprünglich wollte die Türkei das Patriot-Raketenabwehrsystem von den USA erwerben, doch es kam zu keinem Deal. Dafür machte die Regierung Washington verantwortlich.

dpa/dtj