Sieben Monate nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft ist der frühere türkische Generalstabschef İlker Başbuğ (Foto) wieder frei. Ein Gericht habe am Freitag seine Freilassung aus dem Gefängnis in Silivri bei Istanbul angeordnet, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Er sei ohne Grund festgehalten worden, sagte der Ex-Armeechef nach seiner Entlassung. „Ich hege keinen Groll, im Gegenteil, ich bin glücklich und strotze nur so vor Liebe“, so Başbuğ, der am 6. Januar 2012 festgenommen worden war. Vom 30. August 2008 bis zum 30. August 2010 war er türkischer Generalstabschef und damit der 26. Befehlshaber der Türkischen Streitkräfte seit Ende des Osmanischen Reiches.

Başbuğ war im vergangenen August im sogenannten Ergenekon-Prozess schuldig gesprochen worden, einen Staatsstreich vorbereitet zu haben. Das Verfassungsgericht hatte am Donnerstag geurteilt, dass Başbuğs Rechte in dem Verfahren verletzt worden seien.

In dem Prozess waren insgesamt 275 Menschen zu teils extrem langen Gefängnisstrafen verurteilt worden, darunter Militärs, Abgeordnete, Politiker, Journalisten und Akademiker. Başbuğ war der ranghöchste Angeklagte aus den Reihen der Militärs. Er war 2010 in den Ruhestand gegangen und Anfang 2012 als Angehöriger eines angeblichen „Ergenekon“-Geheimbundes festgenommen worden.

Erst im Januar hatte Premierminister Recep Tayyip Erdoğan erklärt, er könne sich vorstellen, die Ergenekon-Strafverfahren gegen hunderte Armeeoffiziere wiederaufnehmen zu lassen. (dtj/dpa)

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