Die Kläranlagen der Region um den Vansee, die eigentlich zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen sollen, schaden dem Gewässer mehr als dass sie Vorteile bringen.

Die Kläranlagen der Region um den Vansee, die eigentlich zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen sollen, schaden dem Gewässer mehr als dass sie Vorteile bringen. Einem Bericht der türkischen Zeitung „Today’s Zaman” zufolge bemängelten Experten vor kurzem, dass die Klärwerke der Region nicht auf voller Leistung laufen und so Abwässer und Abfälle der 1 Millionen Menschen, die in unmittelbarer Nähe zum Vansee leben, nahezu ungehindert in den See gelangen.

Ein Zeichen für die fortschreitende Verschmutzung des Sees ist Experten zufolge der Anstieg der Algenblüte in dem Gewässer. Die Umweltexperten fordern sofortige Maßnahmen, um der massiven Verschmutzung Einhalt zu gebieten und den Vansee zu retten.

Dr. Mustafa Sarı, Mitarbeiter der Fakultät für Gewässerbewirtschaftung der Yüzüncü Yıl Universität in Van, sagte, Abwässer und Abfälle aus umliegenden Wohngebieten hätten den Stickstoff- und Phosphorgehalt im Vansee bereits bedrohlich verändert.

Dr. Sarı sprach sich für ein schnelles Eingreifen zur Verhinderung von weiterer Verschmutzung aus bevor das biologische Gleichgewicht des Sees endgültig kippe. Außerdem kritisierte er, dass die Kläranlagen am Rande des Sees nicht richtig arbeiten würden, da sie ihre Kapazitäten nicht voll ausschöpfen. Darüber hinaus könne keine der Anlagen überschüssigen Stickstoff oder Phosphor aus dem Seewasser herausfiltern. „Wir nennen die Kläranlagen um den See schon „Verschmutzungsanlagen“, weil wir bereits wissen, dass sie dem See mehr schaden als dass sie ihm nützen“, sagte der Wissenschaftler frustriert.

Algenblüte Indiz für starke Verschmutzung

Trotz wiederholter Warnungen von Umweltschützern wurden bislang von der Regierung keine Maßnahmen gegen die fortschreitende Verschmutzung des Vansees unternommen. Um den riesigen See herum liegen dicht bevölkerte Gebiete wie etwa Muradiye, Erciş, Adilcevaz, Ahlat, Tatvan, Gevaş und Edremit. Aus diesen Siedlungen strömt permanent Abwasser in den See.

„Wenn der Stickstoff- und Phosphorgehalt im See weiter ansteigen, werden sich Algen und andere Pflanzen, die sich von diesen Stoffen ernähren, massiv vermehren”, warnte Dr. Sarı und sagte, der Vansee wäre kollabiert, wenn er wärmer wäre, da chemische Prozesse in warmen Gewässern schneller ablaufen würden. Die Anzahl der Kläranlagen müsse unbedingt erhöht werden, ebenso wie die Anzahl des ausgebildeten Personals. Außerdem müssten die bereits bestehenden Anlagen auf voller Kapazität laufen, um eine Verschlimmerung der Umweltverschmutzung zu verhindern, so der Experte.

Der Vansee ist mit einer Länge von 120 km, einer Breite von 80 km und einer Tiefe von 457 m der größte See der Türkei. Der Vansee wird durch Flüsse und Bäche aus den umliegenden, über 4000 m hohen Bergen gespeist und liegt in den osttürkischen Provinzen Van und Bitlis. Seine Fläche entspricht dem Siebenfachen der Fläche des Bodensees. Da der Vansee keinen natürlichen Abfluss besitzt, ist Wasser des Sees stark alkalisch und reich an Natriumcarbonat und anderen Salzen, die auch zur Herstellung von Waschmitteln verwendet werden. Der pH-Wert des Wassers beträgt 9,8, der Salzgehalt 2,27 Prozent, davon etwa eine Hälfte Soda und eine Hälfte Kochsalz. Deshalb gefriert der Vansee trotz einer Lufttemperatur von bis zu −20°C im Winter nie. Die einzige Fischart, die im Vansee überleben kann, ist die Karpfenart Alburnus tarichi (türkisch İnci kefalı).

2011 gab es in der Region ein heftiges Erdbeben, das große Schäden anrichtete. Seitdem sind einige Kläranlagen um den Vansee außer Betrieb.