Immer mehr orientalische Christen verlassen den Mittleren Osten. Hohe christliche Würdenträger forderten nun die Christen auf, in ihrer Heimat zu bleiben.

Der Beamte des Büros für Katastrophen- und Notfallmanagement (Afet ve Acil Durum Yönetimi Başkanlığı, AFAD) sagte, die türkische Regierung habe beschlossen, zwei separate Lager zu errichten, die bis zu 10.000 Flüchtlinge aufnehmen können. „Ein Lager, das sich in der Nähe des Mor-Abraham-Klosters nahe der südosttürkischen Stadt Midyat befindet, wird etwa 4.000 Aramäer und (andere) Christen beherbergen. Das andere Lager wird auf einem der Regierung gehörenden Gelände in Midyat errichtet werden und 6.000 Syrer beherbergen, darunter Kurden und Araber.“

Das nahe Midyat in der Provinz Mardin gelegene Lager ist das erste Lager, in dem ausschließlich Angehörige einer Volksgruppe aufgenommen werden. Die türkische Regierung wurde von internationaler Seite zuvor aufgefordert, die aus ihrer kriegsgeplagten Heimat geflohenen syrischen Christen zu versorgen.

„Wir haben lange darüber diskutiert, was am besten für die Aramäer und die (anderen) syrischen Christen getan werden kann. Wir erhielten eine Reihe von Anfragen zur Errichtung von eigenen separaten (christlichen) Lagern und jetzt haben wir uns entschieden, diesen nachzukommen. Die Arbeiten zur Errichtung der Flüchtlingslager sind in vollem Gange; wir können jedoch kein genaues Datum nennen, wann die ersten Flüchtlinge dort aufgenommen werden können“, sagte der Beamte, der anonym bleiben wollte.

Separate Lager, um syrischen Christen Ausübung ihrer Religion zu erleichtern

Die Türkei beherbergt mehrere Hunderttausend Flüchtlinge aus ihrem arabischen Nachbarland. Mit der Vorgehensweise will die türkische Regierung der einzigen nennenswerten nichtmuslimischen Volksgruppe aus Syrien entgegenkommen. „Die Christen werden die Möglichkeit haben, ihren religiösen Pflichten im Lager nachzugehen. Ihnen werden die gleichen Möglichkeiten zugesichert wie den Syrern in anderen Flüchtlingslagern in der Türkei“, sagte der Beamte. Der Türkische Rote Halbmond (Türkiye Kızılay Derneği) wird für die humanitäre Versorgung des Lagers zuständig sein.

Christen machen Schätzungen zufolge 10 bis 15 Prozent der syrischen Gesamtbevölkerung, also etwa 1,9 Millionen Menschen aus und bilden die zahlenmäßig zweitstärkste christliche Gemeinschaft im Nahen Osten nach den Kopten Ägyptens. Einige christliche Syrer sprachen sich unlängst explizit gegen das Angebot westlicher Staaten aus, christlichen Flüchtlingen Asyl anzubieten, um einen Massenexodus zu verhindern. Einige Kirchenführer erhoffen sich von den von der Türkei geplanten Lagern, dass die Beherbergung dorthin entflohener syrischer Christen nach dem Ende des Konflikts von dort aus die Rückkehr in ihre Heimat erleichtern wird.

Mehr als 1,1 Millionen Syrer sind nach Angaben des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge, António Guterres, wegen des Bürgerkriegs in ein Nachbarland geflohen. Rund 3,6 Millionen Menschen seien Flüchtlinge im eigenen Land, sagte Guterres bei einer Anhörung im US-Senat in Washington. Die syrische Krise sei der komplizierteste und der gefährlichste Konflikt, den er bislang in seiner Amtszeit erlebt habe. In dem vor zwei Jahren ausgebrochenen Syrien-Konflikt sind nach Schätzungen bislang mehr als 70.000 Menschen ums Leben gekommen. Trotz der vielen Flüchtlingslager in der Türkei machte das Assad-Regime vergangene Woche den türkischen Ministerpräsident Erdoğan verantwortlich für die katastrophale Lage der syrischen Flüchtlinge.