Die türkischen Nationalspieler jubeln über den 1:0-Führungstreffer von Umut Bulut im Spiel gegen Estland.

Die Türkei befindet sich bei der Auslosung für die Qualifikationsrunde der Europameisterschaft 2016 nur in Lostopf drei und muss daher mit zwei Hochkarätern in der Gruppe rechnen. Erstmals seit langem findet sich die türkische Auswahl somit außerhalb der ersten beiden Töpfe wieder und erwartet auf dem Weg nach Frankreich, wo die Endrunde im Sommer 2016 stattfinden wird, womöglich eine schwierige Gruppenkonstellation. Dass die Türkei nur in den dritten Lostopf eingeteilt wurde, liegt vor allen Dingen am schlechten Abschneiden in den letzten drei Qualifikationsphasen. Im vierten Anlauf ist die türkische Nationalmannschaft daher quasi zu einer Endrunden-Teilnahme verdammt, um nicht noch weiter in das fußballerische Niemandsland abzustürzen.

Die Setzliste für die Auslosung am 23. Februar in Nizza wurde von Seiten der UEFA offiziell bestätigt. Hierbei teilen sich 53 Mannschaften in sechs Lostöpfe auf, woraus sich dann neun Gruppen bilden. Acht Gruppen werden aus je sechs Nationen bestehen, während die verbleibende Gruppe sich aus lediglich fünf Landesauswahlen zusammensetzen wird. Erstmals mit von der Partie ist Gibraltar. Die britische Kronkolonie wurde im vergangenen Jahr als 54. vollwertiges Mitglied von der UEFA aufgenommen und feiert in den Qualifikationsspielen für die Euro 2016 seine Premiere. Frankreich ist als Gastgeber der bislang größten Europameisterschaft – das Teilnehmerfeld wurde auf 24 Teams erweitert – qualifiziert. Die restlichen 53 Mannschaften wurden entsprechend ihres UEFA-Nationalmannschaftskoeffizienten, wofür die Ergebnisse bei der FIFA Weltmeisterschaft 2010, der UEFA Europameisterschaft 2010 (samt Qualifikationsphase und Endrunde) und der Qualifikation für die FIFA Weltmeisterschaft 2014 relevant waren, in die sechs Lostöpfe unterteilt. Mit Ausnahme des letzten Topfes, in denen sich nur acht Mannschaften befinden, sind in jedem Topf neun Teams eingeteilt.

Auch die Drittplatzierten dürfen hoffen

Zum Auftakt der Auslosung wird der Lostopf 1 – bestehend aus Spanien, Deutschland, den Niederlanden, Italien, England, Portugal, Griechenland, Russland und Bosnien-Herzegowina – gezogen und den Gruppen A bis I in alphabetischer Reihenfolge zugeordnet. England, Deutschland, Italien, Spanien und die Niederlande müssen dabei wegen den abgeschlossenen TV-Rechten in einer Sechser-Gruppe spielen. Nachdem die Ziehung des ersten Lostopfes abgeschlossen ist, wird die Auslosung mit Lostopf 6 fortgeführt. Anschließend kommt es zur Ziehung der Töpfe 5 bis 2. Neu bei dieser Qualifikationsrunde ist, dass das Gastgeberland Frankreich einen Partnerstatus für die Fünfer-Gruppe I erhält. Dieser Partnerstatus sieht Freundschaftsspiele zwischen Frankreich und dem jeweiligen spielfreien Team der Gruppe vor. Zudem hat das UEFA-Exekutivkomitee aus politischen Gründen entschieden, dass Aserbaidschan nicht in einer Gruppe mit Armenien und Gibraltar nicht in der selben Gruppe mit Titelverteidiger Spanien spielen kann. Das Ticket zur EM-Teilnahme nach Frankreich lösen neben den beiden bestplatzierten Teams jeder Qualifikationsgruppe auch der beste Drittplatzierte. Die acht anderen Mannschaften, die in ihren Gruppen den dritten Platz belegten, spielen in den Playoffs die restlichen vier Startplätze aus.

Gelingt der Türkei nun endlich die Qualifikation?

Obwohl die Türkei nur im Lostopf 3 vertreten ist, scheint eine Teilnahme aufgrund den acht zusätzlichen Startplätzen dennoch möglich zu sein. Auch wenn man nicht unter die besten Zwei käme, könnte man erstmals als Drittplatzierter Relegationsspiele bestreiten. Bei der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika genügte der dritte Platz hinter Spanien und Bosnien-Herzegowina noch nicht für Playoff-Spiele. Im Rahmen der Qualispiele für die EM 2012 in Polen und der Ukraine, qualifizierte sich die Türkei unter der damaligen Leitung von Guus Hiddink für die Playoffs, scheiterte dort aber klar an den Kroaten. Tiefpunkt der letzten Jahre war mit Sicherheit der vierte Platz hinter den Niederlanden, Rumänien und Ungarn in der Qualifikationsgruppe für die Endrunde der WM 2014 in Brasilien. Fatih Terim ist demnach wohl bestens gewarnt und muss für die direkte EM-Teilnahme in Frankreich mindestens bester Gruppendritter werden. Anderenfalls muss sich die türkische Nationalmannschaft als Drittplatzierter gegen die anderen Gruppendritten in zwei Relegationsduellen durchsetzen, um erstmals seit 2008, als die Türkei bei der EM erst im Halbfinale an Deutschland scheiterte, an einem Endrundenturnier teilzunehmen.

Die härteste Gruppenkonstellation wäre beispielsweise eine Gruppe mit Spanien, Belgien, Bulgarien, Island und Malta. Deutlich einfacher ließe sich eine Qualifikationsrunde gegen Griechenland, Ungarn, Estland, Aserbaidschan und Gibraltar bestreiten. Etwas Losglück würde die Türkei daher in einem Monat gut gebrauchen können.

Hier noch einmal die Zusammensetzung der Lostöpfe:

Lostopf 1: Spanien (Titelverteidiger), Deutschland, Niederlande, Italien, England, Portugal, Griechenland, Russland, Bosnien und Herzegowina

Lostopf 2: Ukraine, Kroatien, Schweden, Dänemark, Schweiz, Belgien, Tschechien, Ungarn, Republik Irland

Lostopf 3: Serbien, Türkei, Slowenien, Israel, Norwegen, Slowakei, Rumänien, Österreich, Polen

Lostopf 4: Montenegro, Armenien, Schottland, Finnland, Lettland, Wales, Bulgarien, Estland, Weißrussland

Lostopf 5: Island, Nordirland, Albanien, Litauen, Moldawien, Mazedonien, Aserbaidschan, Georgien, Zypern

Lostopf 6: Luxemburg, Kasachstan, Liechtenstein, Färöer Inseln, Malta, Andorra, San Marino, Gibraltar

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