Salih Ucan - iha

Salih Uçan gehört zu den talentiertesten Mittelfeldspielern der Türkei und konnte nach seinem Wechsel zu Fenerbahçe bereits mehrfach sein Genie aufblitzen lassen. Der 19-Jährige wurde vor den Testspielen gegen Nordirland (1:0 in Adana am vergangenen Freitag) und Weißrussland (heute in Mersin) erstmals für den türkischen A-Nationalmannschaftskader berufen. Damit ist er einer der vielen Debütanten, die Fatih Terim nach dem Aus in der WM-Qualifikation für die türkische Auswahl nominierte. Uçan, der zuvor alle Junioren-Nationalmannschaften der Türkei durchlaufen hatte, ahnte bereits im Vorfeld sein Länderspieldebüt voraus und will sowohl auf Vereinsebene als auch in der Nationalmannschaft zu einer festen Größe heranwachsen. Beim bevorstehenden Neuaufbau betonte er zudem auch die Bedeutung der Routiniers im Türkei-Kader.

Der Spielmacher wechselte im letzten Jahr als 18-Jähriger von Bucaspor für eine Ablösesumme von ca. 1,5 Millionen Euro zum türkischen Spitzenklub Fenerbahçe. Bei seinem Ex-Verein, der für seine hervorragende Nachwuchsförderung im Land bekannt ist, war er in der zweiten türkischen Liga bereits Leistungsträger und geriet so ins Blickfeld der Topklubs in der Süper Lig. In seiner ersten Saison für die „Kanarienvögel“ hatte er keinerlei Anlaufschwierigkeiten und harmonierte sofort mit Stars wie Raul Meireles, Dirk Kuyt oder Moussa Sow. Uçan kam in der Süper Lig zehn Mal zum Einsatz und schoss drei Tore. Darüber hinaus machte er seine ersten Erfahrungen auf internationaler Bühne und erzielte im Rückspiel des Europa-League-Achtelfinales gegen Viktoria Pilsen einen wichtigen Treffer.

„Möchte Stammspieler werden“

„Bei Fenerbahçe kamen in den letzten Jahren nur selten junge Spieler zum Zug. Ich denke, dass ich meine Chance genutzt und gute Spiele für Fener gemacht habe. Für mich persönlich war das ein guter Karriereeinstieg“, erinnert sich Salih Uçan im Interview mit Lig TV zurück. Unter Neu-Trainer Ersun Yanal wartet er noch auf sein Startelf-Debüt und möchte sich stets weiterentwickeln: „Ich möchte mich in jeder Saison steigern, um Stammspieler zu werden. Das gilt auch für die Nationalmannschaft. Es hängt alles von mir ab.“

Beim Testspiel-Sieg über Nordirland wurde Uçan in der 67. Minute eingewechselt und feierte somit sein Länderspiel-Debüt. Von seiner Berufung habe der offensive Mittelfeldspieler nach dem Derby gegen Galatasaray erfahren und war bereits mental darauf vorbereitet: „Zugegebenermaßen hatte ich es schon geahnt, dass ich nominiert werde und war natürlich überglücklich, als ich von der Nominierung nach dem Derby erfuhr. Dafür danke ich Fatih Terim. Ich bin der Jüngste im Nationalkader, wurde aber hier toll aufgenommen und unterstützt.“ Besonders gut verstehe er sich mit Arda Turan und seinem Vereinskollegen Caner Erkin, die ihm den Einstieg bei der Nationalmannschaft erleichtert hätten.

Vorbild Frank Lampard

Den Traum von Europa hat der in Muğla geborene Spielgestalter nur im Hinterkopf. Primär möchte er die Wahrnehmung von Fenerbahçe und dem gesamten türkischen Fußball außerhalb der Landesgrenzen positiv fördern: „Natürlich träume ich auch wie die anderen türkischen Spieler von Europa. Zuerst möchte ich jedoch Fenerbahçe zu Erfolgen in Europa verhelfen und dazu beitragen, dass der türkische Fußball noch attraktiver wird.“ Unter seinen Landsleuten nimmt sich das Talent Mehmet Topal, Selçuk İnan und Emre Belözoğlu zum Vorbild. In Europa sei Frank Lampard das Idol des 19-Jährigen.

Im kommenden Sommer wird die Türkei die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wieder nur vom Fernsehsessel aus verfolgen. Die nächste Europameisterschaft in Frankreich möchte sich die türkische Nationalmannschaft jedoch nicht entgehen lassen. Wie nach jedem Scheitern ist traditionell wieder von einem Neuaufbau die Rede, die laut Uçan nicht ohne die Routiniers vollzogen werden kann. „Immer wieder wird von einem Neuaufbau gesprochen, doch das gelingt nicht nur mit jungen Spielern. Für einen Neuanfang sind wir auf die erfahrenen Spieler angewiesen, die die Jüngeren führen. Wir als junge Spieler wollen den Konkurrenzkampf ankurbeln und uns für die EM qualifizieren“, stellte Uçan die Rollenverteilung dar.

„Jedes Länderspiel ist sehr wichtig“

Ganz ohne Wehmut können die türkischen Fußballer nicht auf die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer blicken. „Es wäre leichter gewesen, die EM-Quali nach einer WM-Teilnahme anzugehen. Dennoch liegt es an uns, uns für die EM 2016 zu qualifizieren. Wenn wir wollen, bin ich überzeugt, dass wir es auch schaffen“, so Uçan. Mit Hinblick auf das anstehende Freundschaftsspiel gegen Weißrussland sagte er: „In der Nationalmannschaft unterscheiden wir nicht zwischen Test – und Pflichtspielen. Jedes Länderspiel ist sehr wichtig. Genauso wie das Spiel gegen Weißrussland.“