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Tote Soldaten, Stress mit dem Nato-Partner USA, Proteste und Verhaftungen: So lautet die vorläufige Bilanz der türkischen „Operation Olivenzweig“ in Syrien. Nun droht Erdoğan mit der Belagerung Afrins. Warum?

von Stefan Kreitewolf

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Sieben Jahre voller Krieg, Bomben, Elend und Terror haben Syrien zerstört. Solange währt der Bürgerkrieg im einst so stolzen Land bereits. Dass Syrien noch immer nicht zur Ruhe kommt, liegt nicht nur an Assad und seinem Bombenterror. Iran, Israel, Russland, die USA und die libanesische Hisbollah: Sie alle kämpfen seit Jahren auf syrischem Boden für ihre Interessen, destabilisieren das Land weiter und fachen die Gewalt an.

Dass die Terrormiliz des sogenannten „Islamischen Staats“, die übrigens ebenfalls hauptsächlich von Ausländern geführt und verteidigt wird, mittlerweile vertrieben wurde, hilft da nur wenig. Der Krieg in Syrien ist ein Viel-Fronten-Krieg geworden – unübersichtlich und so brandgefährlich, dass er eine ganze Region mit sich reißen könnte.

Seit kurzem mischt nun auch die Türkei mit. Mit der sogenannten „Operation Olivenzweig“ eröffneten türkische Militärs und ihre Verbündete (zum Beispiel die „Freie Syrische Armee“) im kurdischen Kanton Afrin eine weitere Front. Das offizielle Ziel der Offensive: In Nordsyrien soll ein „Sicherheitskorridor“ entstehen, den die Türkei direkt oder indirekt kontrolliert.

Kadaver Syrien

Angesichts der türkischen Verluste, von denen immer wieder die Rede ist, und die selbst Ankara mittlerweile anerkennen musste, erscheint dieses Ziel nur mit dem Blut türkischer Soldaten erreichbar zu sein. Ein hohes Preis, obschon Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan einlenken könnte. Denn wäre er nur darüber besorgt, dass von den syrischen Kurden eine Gefahr für die Türkei ausgehe, könnte er dem amerikanischen Vorschlag zustimmen, die türkisch-syrische Grenze gemeinsam zu sichern. Warum tut er das nicht?

Was will Erdoğan wirklich? Offenbar beabsichtigt Ankara mit der riskanten Militärintervention mehr, als nur die südliche Staatsgrenze zu Syrien zu sichern. Offenbar will der türkische Präsident ein Stück des Kuchens ab. Die Türkei buhlt um Einfluss, um ihre Sicherheitsinteressen zu vertreten. Damit sind sie in Syrien nicht allein. Russland und Iran haben sich ihre Einflusssphären bereits gesichert.

Einige weitere Akteure aus der Region fleddern ebenfalls den Kadaver, den Syrien mittlerweile darstellt. Es wird immer brenzliger. Hier nur einmal drei Beispiele, wo es bald knallen könnte:

  • USA vs. Türkei: Wenige Kilometer östlich von Afrin stehen sich türkische und amerikanische Soldaten gegenüber.
  • Iran vs. USA: Im Osten Syriens nähern sich iranische und amerikanische Truppen an den Ufern des Euphrats.
  • Iran vs. Israel: Unmittelbar vor den Golanhöhen haben sich iranische Söldner eingegraben, die Israel bedrohen.

Und die jüngste Nachricht, dass die syrischen Kurden und ihre Miliz YPG nun mit Assads Armee gegen die Türkei kämpfen wollen, hat vielerorts für Kopfschütteln gesorgt. Wer von den Konflikten, die innerhalb Syriens toben, wenig weiß, spricht angesichts solcher News von Kurdistan und Syrien als „Absurdistan“. Doch die Logik im syrischen Bürgerkrieg ist simpel: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und Assad wie die Kurden kämpfen gegen die Türkei.

Kurdische Kämpfer, israelische Luftschläge, iranische Söldner, russische Bomben und türkische Panzer – für die Menschen in Syrien heißt das nur eins: Ihr Leiden wird weitergehen. 

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