Tee ist in der Türkei sehr beliebt. Meist wird er mit Gebäck serviert.

„Istanbul ist das neue Rom. Aber die Türken sind gute Gastgeber, sie bemühen sich nach Kräften, all diese Touristen willkommen zu heißen… Und wer als Tourist einmal keine Lust hat auf ein traditionelles Gläschen Tee, sondern einen Nescafé oder einen türkischen Kaffee verspürt, kann sich auf dem Divan Yolu oder auf der Istiklal bei Starbucks bewirten lassen.”

In diesen wenigen Zeilen aus dem Buch „Ein Glas Tee nehme ich noch gern” gelingt es Katharine Branning, genau diese Gastfreundschaft sowie den Unterschied zwischen Tradition und Moderne zum Ausdruck zu bringen, der Istanbul in seinem Wesen ausmacht. Diesen Worten konnte auch ich als nicht türkischstämmige Person nach meinem Besuch in Istanbul nur zustimmen.

Über das „traditionelle Gläschen Tee”, von dem Frau Branning unter anderem in Ihrem Buch spricht, wunderte ich mich zunächst einmal selbst. Überall, wo wir hingingen, wurde uns Tee angeboten und dies zu jeder Tageszeit. Es schien in der Türkei eine Selbstverständlichkeit zu sein. Anfangs lehnte ich nach dem dritten Glas Tee am Tag dankend ab, während meine türkischstämmigen Kollegen diesen alle dankend entgegen nahmen. Tee schien hier wie anderswo Wasser getrunken zu werden. Wir tranken pro Tag mindestens 5 Gläser Tee: zum Frühstück, zu Mittag, zu Abend und natürlich auch zwischendurch. Ab dem dritten Tag fing schließlich auch ich an, mich von alleine auf den Tee zu freuen und nahm jedes Glas dankend an.

Die Gastfreundschaft in der Türkei brachte einen dazu, sich wohler und willkommener zu fühlen. Um uns herum gab es nur freundliche Menschen, die uns mit ihrer Großzügigkeit verwöhnten. In den Restaurants spiegelte sich diese Gastfreundlichkeit in der Art wieder, dass bei einer Frage gleich 3-5 Kellner auf einmal heranrückten, um den Wunsch entgegenzunehmen.

Türkische Spezialitäten selbst gemacht

Die türkische Küche ist ein Traum für jeden Essensliebhaber. Natürlich hat man auch in Berlin überall die Möglichkeit, die türkische Küche zu genießen, allerdings ist es doch etwas anderes, sie original im Ursprungsland zu testen.

Beim Essen mangelte es an nichts. Wir kosteten uns durch das gesamte Repertoire türkisch-osmanischer Küche hindurch. Mercimek çorbası (Rote Linsensuppe), Çoban salatası („Hirtensalat“), Çiğ Köfte, Adana Kebab, Ali Nazik, Lahmacun, Mantı, Zeytinyağlı Yaprak Sarma und als Nachtisch Aşure, Baklava, sowie das beste Lokum der Welt und zahlreiche Gerichte und Spezialitäten mehr. Sie alle in einem Artikel aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen. Unter diesen entdeckte ich auch eine besonders köstliche Vorspeise: Man erhält warmes Fladenbrot (Lavaş), auf das man Butter schmiert und anschließend in Tulum-Käse tunkt. Allgemein ist die Türkei für das vielfältige Angebot von Brotsorten bekannt, von einfachem Pide bis hin zu mit verschiedenen Zutaten belegtem Gözleme.

In einigen Restaurants sahen wir, wie ältere Frauen das Lavaş traditionell vorbereiteten. Es war ein besonderes Gefühl, mit anzusehen, wie diese Frauen das einfache Brot mit so viel Liebe, wahrscheinlich nach dem Rezept ihrer Mütter und Großmütter, vorbereiteten und dieses Brot von den Händen dieser liebevollen Frauen essen zu dürfen, machte mich glücklich und gab mir das Gefühl, zu Hause zu sein.

Um 14 Uhr verabredet und um 15 Uhr angekommen

Dieser Zauber schwand jedoch jäh, als wir den Istanbuler Verkehr kennenlernten, der uns auch im Laufe der folgenden fünf Tage lehren sollte, dass man hier niemals pünktlich an den gewünschten Ort gelangen würde.

Selbst die Taxi-Suche erwies sich als große Herausforderung – vor allem an den stark von Touristen besuchten Orten, wie z.B. in der Nähe der Hagia Sofia oder der Sultan Ahmet Moschee. Wir rannten von Taxi zu Taxi und ärgerten uns, wenn andere Touristen uns zuvor kamen und vor uns in das Taxi stiegen. Und hatte man endlich ein Taxi gefunden, ging der Ärger weiter, weil man gefühlte 5 Stunden im Stau stand und nicht vorankam. Der Ärger verflog aber wie von selbst, als man dann wieder mit einer Tasse Tee begrüßt wurde.

Ich war bereits zuvor in Istanbul gewesen, doch hatte ich mir nur die üblichen Sehenswürdigkeiten angeschaut und war deshalb umso überraschter, als wir das riesige, sechsstöckige Einkaufscenter „Cevahir” in Mecidiyeköy betraten. Spätestens hier spürte man, dass man sich in Europa befand. Die Menschen, die sich dort aufhielten, waren alle sehr modern gekleidet und größtenteils jung. Es waren alle Läden und Marken vertreten, die es in Deutschland auch gibt. Eine Shopping-Mall, in der das Herz der Shopping-Liebhaber auflacht und in der auch für jeden das passende Essen angeboten wird, vom „ehrlichen Burger“ im Burger House bis hin zum reichhaltigen bodenständigen Angebot im Saray Muhallebicisi.

Ähnlich modern und vergleichbar mit dem Kudamm war die Istiklal-Straße, in der sich ebenfalls viele Shopping- sowie Essensmöglichkeiten boten.

Ein kompletter Gegensatz dazu war der Ägyptische Basar (Mısır Çarşısı). Hier war, obwohl wir alle erwachsen sind, die erste Regel, dicht beieinander zu bleiben, um einander ja nicht aus den Augen zu verlieren. Doch dies war leichter gesagt als getan, denn überall warteten verlockende Waren auf uns, sodass jeder von uns automatisch an unterschiedliche Stände gezogen wurde. Die Menschen, die sich hier aufhielten, waren entweder Touristen oder traditionelle und etwas bescheidenere Menschen, die sich von denen im „Cevahir”- Center deutlich unterschieden. Während man im „Cevahir” bei Zara, Mango und Puma einkaufen konnte, begnügte man sich hier an Ständen mit Gewürzen, traditionellen Süßwaren, bunten Tüchern und Souvenirs.

Bosporustouren sind nicht nur bei Touristen beliebt.

Zwischen Touristen und Bettlern

An den Orten der Sehenswürdigkeiten, wie vor der Hagia Sophia oder der Sultan-Ahmet-Moschee, konnte man ebenfalls eine interessante Beobachtung machen: Während wir größtenteils von Touristen umgeben waren, von denen sich viele einen „Fes” (traditionelle kleine Mützen) auf den Kopf setzten, befanden sich unter diesen neugierig blickenden Touristen auch dunkel gekleidete traurige Bettler. Größtenteils stammten diese aus Syrien, zumindest behaupteten sie dies. Sie liefen mit ihren Kindern und ihren Pässen durch die Gegend herum und gingen von Tourist zu Tourist. Da meine Muttersprache Arabisch ist, verstand ich was sie sagten: „Mein Mann ist gestorben und meine Kinder sind nun Waisen. Möge Allah euch segnen und schützen. Bitte…bitte…für Gottes Willen…”

Auch dies war eine charakteristische Eigenschaft Istanbuls: Von ihrer Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft geprägt nehmen die Türken nicht nur Touristen, sondern auch arme, hilfsbedürftige Flüchtlinge in ihrem Land auf. Wieder eröffnete sich uns ein gegensätzliches Bild: Die arme kleine Bettlerin, die vor dem großen, wohlhabenden Touristen stand… Auch auf dem Ägyptischen Basar bot sich mir diesbezüglich eine interessante Erkenntnis: Fast jeder Verkäufer sprach arabisch. Als ich mich mit einem von ihnen unterhielt, fragte er mich, woher ich kam, als ich ihm sagte, dass ich nicht aus Syrien sei, schien er entspannter und war plötzlich offener. Ich fragte ihn, ob es mittlerweile viele Syrer in Istanbul gäbe, er antwortete trocken: „…viel zu viele!”

Selbst in unserem Hotel entdeckte ich bei genauerem Hinschauen einige Gegensätze. So langsam erschien es mir, als wäre Istanbul entscheidend durch seine geografische Lage beeinflusst, die eben sowohl die moderne europäische Seite als auch die traditionelle, asiatische traditionelle beinhaltet, und dies an jedem Ort der Stadt widerspiegelt. Neben unserem Hotel, das voller Leben und aufgeregter Touristen war – und einen wunderschönen Ausblick auf das „Goldene Horn”, eine ca. 7 km lange Bucht des Bosporus in Istanbul, bot – befanden sich viele Gräber mit Aufschriften, welche die Menschen, die an ihnen vorbeigingen, um Gebete für diese friedlich ruhenden Seelen baten. Istanbul zeigte mir alle Gegensätze.

Beim Freitagsgebet galt: „Wir müssen draußen warten“

Das einzig Enttäuschende auf der Reise war jener Moment zum Freitagsgebet, als meine Kollegin und ich in eine Moschee wollten, jedoch nicht die Erlaubnis erhielten, dort zu beten, da es aufgrund der großen Männeranzahl keinen Platz mehr für Frauen gab. Daraufhin machten wir uns in der Nähe auf die Suche nach einem Ort zum Beten und wurden fast schon wie Bettler angesehen. Traurig darüber, dass es in einem Land mit einer großen muslimischen Bevölkerung und so vielen Moscheen so merkwürdig für die Menschen erschien, dass wir beten wollten, warteten wir mit dem Gebet, bis die Männer fertig waren und beteten dann in der Yeni Cami in Eminönü, wo es auch endlich Platz für Frauen gab.

Trotz unseres kurzen Aufenthaltes in Istanbul habe ich viel gesehen und erlebt. Ich habe eine neue Seite an Istanbul kennengelernt, eben den Ausgleich zwischen Traditionellem und Modernen in einer ansprechenden Synthese. Eine Stadt voller Gastfreundlichkeit, Spirit und viel Humor. Ich habe in Istanbul eine Stadt kennen gelernt, in der es noch vieles zu entdecken gibt und ich freue mich bereits auf meinen nächsten Besuch in der außergewöhnlich schönen Bosporusmetropole.