Die Festnahme zweier Ministersöhne war der Auftakt zum Machtkampf in der Türkei. Am Freitag kamen fünf Verdächtige vorerst frei.

Zweieinhalb Monate nach Beginn der Korruptionsaffäre in der Türkei hat ein Gericht zwei Söhne zurückgetretener Minister aus der Untersuchungshaft entlassen. Zudem seien der Geschäftsmann Reza Zarrab sowie zwei weitere Beschuldigte am Freitag auf freien Fuß gekommen, berichteten türkische Fernsehsender. Die Festnahmen hatten Mitte Dezember heftige Debatten innerhalb der Türkei losgetreten. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan selbst muss sich inzwischen gegen Korruptionsvorwürfen verteidigen.

Die Söhne des früheren Innenministers Muammer Güler und des früheren Wirtschaftsministers Zafer Caglayan kamen bis zum Beginn ihres Prozesses frei. Den insgesamt fünf freigelassenen Beschuldigten wurde aber die Ausreise aus der Türkei verboten.

Bei den Korruptionsermittlungen geht es unter anderem darum, ob die staatliche Halkbank gegen Zahlung von Schmiergeld dabei geholfen hat, mit Hilfe von Goldtransfers die internationalen Sanktionen gegen den Iran zu unterlaufen. Zarrab wird beschuldigt, die Ministersöhne und einen Halkbank-Manager bestochen zu haben, um den Weg für Geld- und Goldgeschäfte mit dem Iran freizumachen.

Unterdessen wurde am Freitag die Debatte über einen umstrittenen Gesetzentwurf zur Stärkung des Geheimdienstes MIT auf die Zeit nach den am 30. März geplanten Kommunalwahlen verschoben. Erdoğans Regierung hat inmitten des Wahlkampfes bereits die Kontrolle über das Internet und die Justiz des Landes verschärft. (dpa/dtj)