Arda Turan im letzten Qualifikationsspiel der WM 2014 gegen die Niederlande.

Das hatte sich eine ganze Nation anders vorgestellt: Der Traum von Zuckerhut und Sambaklängen ist für die Türkei ausgeträumt. Denn die türkische Nationalelf verpasst nach der 0:2-Schlappe gegen die Elftal die Playoffs und ist somit auch im nächsten Sommer nur Zuschauer, wenn in Brasilien die 20. Auflage der FIFA-Weltmeisterschaft steigt.

Eigentlich hatte man am Bosporus zwischenzeitlich eine Teilnahme bereits abgehakt. Das Team musste sich unter der Leitung von Abdullah Avcı im ersten Anlauf allen direkten Konkurrenten um das Playoff-Ticket geschlagen geben. Fatih Terim sollte der Heilsbringer werden, unter dem die Türkei danach aber mit drei Siegen – unter anderem auch in Rumänien – ein Lebenszeichen von sich gab. Gegen den Gruppensieger aus Holland hätte die Terim-Elf das Playoff-Ticket aus eigener Kraft lösen können. Aber Pustekuchen – planlos rannte die Türkei gegen Oranje an und rutschte nach dem 0:2 sogar auf noch Platz vier ab.

Vor dem lebenswichtigen Spiel im Şükrü-Saraçoğlu-Stadion – die Heimstätte von Fenerbahçe war gut gefüllt – gab Innenverteidiger Ömer Toprak die Devise aus, dass man zunächst ein Gegentor verhindern wollte. Nach acht Minuten musste die Türkei jedoch bereits ihre taktischen Vorgaben über Bord werfen, als Arjen Robben einen Freistoß eigentlich in den Strafraum hineinflanken wollte, doch niemand sich für die Hereingabe verantwortlich sah – und so landete der Ball bereits früh im Tor vom altaussehenden Volkan Demirel.

Arda, Burak und Umut vergeben beste Chancen

Im weiteren Verlauf der ersten Hälfte zog sich die Mannschaft von Louis van Gaal clever zurück und versuchte, einzelne Nadelstiche zu setzen. Die Hausherren hatten daher mehr Ballbesitz und verlagerten das Spiel in die gegnerische Spielhälfte. Trotz gefühlter Überlegenheit agierten die Türken aber ineffizient und harmlos. Arda Turan, Burak Yılmaz und Umut Bulut hatten zwar den Ausgleich auf dem Fuß bzw. Kopf, konnten aber dennoch nicht die Wende einleiten. So gingen die Niederländer, die auf Sieg spielten, um bei der WM-Auslosung am 6.12. in Lostopf eins zu stehen, mit der knappen Führung in die Halbzeitpause.

Dirk Kuyt und Wesley Sneijder ziehen den Stecker

Die zweite Halbzeit hatte gerade erst angefangen, als zwei nicht ganz Unbekannte für das 2:0 der Niederländer sorgten. Der in der Pause eingewechselte Dirk Kuyt sah zur rechten Zeit Spielmacher Wesley Sneijder, der sich gegen seinen Mannschaftskameraden Semih Kaya durchsetzte und erfolgreich abschloss. Eine Koproduktion aus Fenerbahçe und Galatasaray brachte also die Entscheidung in Kadıköy, denn zu diesem Zeitpunkt führte auch schon Rumänien gegen Estland, sodass der Rückstand der Türkei nun schon auf drei Tore angewiesen war. Terim reagierte zwar und brachte mit Gökhan Töre, Olcay Şahan und Cenk Tosun drei Offensivspieler, doch auch sie konnten das Unheil nicht mehr abwenden. Die Türkei musste sich verdientermaßen den Niederländern mit 0:2 geschlagen geben und scheitert somit schon in der Gruppenphase der WM-Qualifikation.

„Wir hätten ruhig bleiben müssen“

Ein enttäuschter Arda Turan musste nach dem Abpfiff eingestehen, dass die Mannschaft schlecht in das Spiel gestartet war: „Wir hatten einen schlechten Start und wenn man dann noch in so einem Spiel schon früh das Gegentor hinnehmen muss, ist man gefordert und muss viel investieren. Wir haben zwar Druck gemacht, aber nicht getroffen. Natürlich kommt dann auch noch Müdigkeit hinzu, wenn die Niederländer ihr flüssiges Kombinationsspiel aufziehen. Wir hätten ruhig bleiben müssen.“

Kein Platz im Konzert der Großen

Mit dieser Heimniederlage bestätigte die türkische Nationalmannschaft, dass sie noch nicht reif genug für ein großes Turnier ist. „Natürlich standen wir unter Druck. Aber wenn du Gegner wie Holland, Frankreich oder England nicht schlagen kannst, kommst du nicht voran. Wir blickten der Begegnung mit viel Optimismus und Ehrgeiz entgegen, doch wenn man gegen einen großen Gegner ein leichtes Tor fängt, spielt man in ihre Karten“, resümierte der Linksaußen von Atletico Madrid.

Insgesamt stehen seit dem gestrigen Qualifikationsabend 21 der 32 Teilnehmer an der WM 2014 in Brasilien fest. Erstmals bei einer Endrunde dabei wird Bosnien-Herzegowina sein. Die Mannschaft setzte sich in Litauen mit 1:0 durch und gewann damit in Gruppe G vor den punktgleichen Griechen.

Frankreich, Portugal, Schweden, Rumänien, Island, Ukraine, Griechenland und Kroatien treten in den europäischen Playoffs, die am kommenden Montag um 14 Uhr in Zürich ausgelost werden, gegeneinander an. Darüber hinaus müssen in den übrigen Verbänden Mexiko (gegen Neuseeland) und Uruguay (gegen Jordanien) in direkte Duelle um die WM-Teilnahme. Weitere fünf Entscheidungsspiele gibt es auch noch im afrikanischen Verband.