Der türkische Geheimdienst soll einen Mordauftrag gegen Dink erteilt haben. Das behauptet die Anwältin des ermordeten türkisch-armenischen Schriftstellers.

Fethiye Çetin, eine der Anwältinnen der Familie des ermordeten türkisch-armenischen Schriftstellers Hrant Dink, erhebt in ihrem kürzlich veröffentlichten Buch schwere Vorwürfe gegen den türkischen Geheimdienst MİT. Dieser habe, so die „Milliyet“ unter Berufung auf Çetin, mittels einer verschlüsselten und das kyrillische Alphabet verwendeten Nachricht, den Auftrag zur Ermordung Dinks gegeben.

Çetin beruft sich in ihren Angaben auf einen Ramazan Dündar, der Kryptologieexperte beim MİT sein soll.

Der Schriftsteller und Chefredakteur der türkisch-armenischen Wochenzeitung Agos, Hrant Dink, wurde am 19. Januar 2007 am helllichten Tag vor dem Verlagsgebäude vom ultranationalistischen Teenager Ogün Samast, erschossen. Gegen Samast und 18 weitere Personen wurde Anklage erhoben. Trotz einiger Querschüsse konnten die Verdächtigen vor Gericht gestellt werden, allerdings blieb der 14. Hohe Strafgerichtshof in seinem Urteil im letzten Jahr weit hinter den Erwartungen zurück. Nur ein kleiner Teil der Angeklagten wurde belangt, das Gericht schaffte es nicht, herauszuarbeiten, inwieweit organisierte Strukturen hinter der Tat stecken.

In ihrem Buch „Utanç Duyuyorum-Hrant Dink Cinayeti’nin Yargısı“ (Ich schäme mich – Das Verfahren zum Mord an Hrant Dink), schreibt Çetin von einem Anruf, den sie am 16. März 2010 erhalten haben will und der einem Mann namens Ramazan gekommen sein soll, der beim MİT in dessen ostanatolischem Büro als Kryptologieexperte arbeiten würde. Er hätte für sie im französischen Konsulat von Aleppo ein wichtiges Dokument hinterlassen.

Insider halten Ergenekon für die treibende Kraft

Ein Freund Çetins aus Gaziantep habe das Dokument später dort abgeholt, mittlerweile stand sie mit „Ramazan“ in Skype-Kontakt. Dieser gab an, die Dokumente verschlüsselt zu haben. In dechiffrierter Form hätte sich darin die Order „Geht und tötet Dink“ befunden. Çetin wäre mit dem Material zum Staatsanwalt gegangen.

Der MIT bestritt, irgendwelche Verbindungen zu den Mördern Hrant Dinks zu haben. Es gäbe nirgendwo einen Mitarbeiter namens Ramazan Dündar und die von ihm übergebenen Dokumente würden nicht dem Geheimdienst gehören.

Der Dink-Mord wurde auch im Zusammenhang mit den Ergenekon-Ermittlungen untersucht. Auch Insider brachten die Tat mit dieser Gruppierung in Verbindung. Allerdings konnten keine ausreichenden gerichtsfesten Beweise für eine Verwicklung der im tiefen Staat operierenden nationalistischen Organisation vorgelegt werden.