Über der südostanatolischen Kreisstadt Silopi steigt am Freitag schwarzer Rauch auf. Zuvor gab es in zwei Nachbarschaften bewaffnete Zusammenstöße zwischen türkischen Sicherheitskräften, kurdischen Jugendlichen und Mitgliedern der YDG-H.
In der südostanatolischen Kreisstadt Silopi in der Provinz Şırnak kommt es seit dem Vormittag zu schweren Ausschreitungen und heftigen Schießereien zwischen der YDG-H und türkischen Sicherheitskräften. Es gab mindestens drei Tote.

In der südostanatolischen Kreisstadt Silopi in der Provinz Şırnak kommt es seit dem Vormittag zu schweren Ausschreitungen und heftigen Schießereien zwischen türkischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Mitgliedern der PKK-Untergruppierung „YDG-H“. Die PKK wird von der Türkei, den USA und der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft.

Videoaufnahmen vom Freitag zeigen Rauchwolken über der Stadt – das Knattern von Maschinengewehren ist deutlich zu hören. Bislang liegen Berichte über drei Todesopfer vor. Bis zum Mittag meldeten türkische Medien, dass mindestens sieben Menschen in Silopi zum Teil schwer verwundet wurden, davon auch zwei Polizisten. Einer der Beamten befindet sich demnach in kritischem Zustand.

Die Gewalt war am Freitag Vormittag ausgebrochen, als ein 200-Mann starkes Spezialeinsatz-Kommando der türkischen Polizei mit Baggern und gepanzerten Einsatzfahrzeugen in die Nachbarschaften Başak und Barbaros einrücken wollten. Dort hatten YDG-H-Mitglieder in den letzten vier Tagen Gräben und Barrikaden errichtet. Ziel der YDG-H war es, die türkische Polizei daran zu hindern, in den Nachbarschaften PKK-Strukturen zu zerschlagen und Festnahmen durchzuführen. Das Büro des Gouverneurs erklärte, das Spezialeinsatz-Kommando der türkischen Polizei sei von PKK-Mitgliedern am Vorrücken gehindert worden und sowohl mit Feuerwerkskörpern als auch mit Raketen und Gewehren beschossen worden. Die YDG-H habe außerdem Mienen gelegt. Medienberichten zufolge wurden die Einsatzfahrzeuge von schweren Waffen beschossen und zwei Fahrzeuge des Typs „Kobra“ zerstört. Jugendliche hätten Molotov-Cocktails auf die Polizisten geschleudert.

Silopi: Türkische Polizei geht gegen YDG-H vor

Das türkische Spezialeinsatz-Kommando reagierte auf die Angriffe seinerseits mit einem massiven Einsatz von Gewalt und es kam zu Gefechten innerhalb der Wohngegend. Kurdischen Aktivisten zufolge wurden dabei offenbar auch Unschuldige getroffen. So befinden sich unter den Toten auch ein 17-Jähriger und ein 58-Jähriger Anwohner. Auf Twitter verbreiteten kurdische User Bilder von Scharfschützen der türkischen Sicherheitskräfte, die in Silopi gegen die Unruhen eingesetzt würden. Die Echtheit der Bilder kann jedoch nicht überprüft werden. Das als PKK-nahe Nachrichtenportal Firatnews Agency beschuldigte die Einsatzkräfte „auf alles zu schießen was sich bewegt.“ Eines der drei Todesopfer sei von einem Scharfschützen in die Brust getroffen worden und anschließend auf dem Weg ins Krankenhaus an den Folgen der Verletzung verstorben, so Firatnews.

In einer schriftlichen Stellungnahme des Büros des Provinz-Gouverneurs von Şırnak hieß es: „Am 7. August.2015 um 5:30 Uhr ist in unserer Stadt Silopi gegen die Mitglieder der separatistischen Terrororganisation, deren Ziel es ist, die öffentliche Ordnung mit handgemachten Sprengkörpern und unkonventionellen Sprengvorrichtungen, Barrikaden und Gräben zu stören, eine Operation durchgeführt worden. Sie haben unsere Sicherheitskräfte mit Raketen angegriffen.“ Um die Lage in der Stadt unter Kontrolle zu halten, wurden Einheiten der türkischen Gendarmerie an „strategischen Orten“ innerhalb der Stadt stationiert. Die Gefechte dauerten bis zum Mittag an.

Auch in anderen Städten der Provinz Şırnak kam es zu Attacken der PKK. So wurde am Donnerstag in Uludere das Büro des Distrikt-Gouverneurs, das Polizeirevier und die örtliche Basis der Gendarmerie mit teils schweren Waffen beschossen. Nahe Beytüşşebap überfielen ebenfalls am Donnerstag offenbar PKK-Kämpfer ein Transportfahrzeug der Gendarmerie, nachdem sie auf einer Landstraße eine Straßensperre errichteten. Außerdem kam es in den Provinzen Mardin und Van zu Gefechten zwischen PKK-Kämpfern und türkischen Sicherheitsbehörden. Im Distrikt Başkale in Van beschossen Kämpfer der PKK die örtliche Gendarmerie-Basis und steuerten anschließend ein mit Sprengstoff beladenes Auto in das Tor des Gebäudes. Über Opfer des Angriffs wurde zunächst nichts bekannt.