Sivasspor Trainer Roberto Carlos im Training mit seiner Mannschaft - cihan

Als aktiver Fußballer sorgte er stets für Spektakel, aber auch an der Seitenlinie gibt Roberto Carlos bislang eine gute Figur ab. Nach seinem Karriereende entschied sich die brasilianische Fußball-Legende für eine Trainerlaufbahn und ist seit dieser Saison als Chefcoach für den türkischen Erstligisten Sivasspor verantwortlich. Carlos gehörte zweifelsohne zu den besten und erfolgreichsten Linksverteidigern der Fußballgeschichte. Besonders bei den europäischen Spitzenklubs Inter Mailand und Real Madrid machte der schussgewaltige Südamerikaner auf sich aufmerksam und gewann als Spieler insgesamt dreimal die UEFA Champions League. Erstmals Bekanntschaft mit der Türkei machte er, als er 2007 zu Fenerbahçe wechselte. Noch heute gilt Carlos wahrscheinlich als der prominenteste Neuzugang in der türkischen Fußballhistorie. Sein kurzweiliges Engagement als Interimstrainer bei Anzhi Machatschkala in Russland scheint ihm Appetit auf mehr gemacht zu haben. Bei Sivasspor ist er jedenfalls dank einer erfolgreichen Hinrunde unumstritten.

„Fußball ist ein einfacher Sport und was das System angeht, muss man gar nicht so viel neu erfinden. Man läuft raus auf den Platz und versucht, das Spiel zu gewinnen. Natürlich muss der Trainer eine Philosophie haben und die Spieler müssen diese mit ihren eigenen Qualitäten umsetzen. In meiner Philosophie dreht sich alles um gewinnen, gewinnen, gewinnen. Meine ganze Karriere war dieser Philosophie gewidmet und gleiches will ich auch bei Sivasspor einbringen“, sagte der nun mittlerweile 40-Jährige gegenüber „UEFA.com“. Carlos spielte zwischen 1992 und 2006 125-mal für die brasilianische Nationalmannschaft, mit der er 2002 die Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea gewann.

In Zentralanatolien kennt die Euphorie um Carlos keine Grenzen. Mit Sivasspor sorgte er für eine aufsehenerregende Hinrunde und rangiert mit seiner Mannschaft nach 17 Spielen auf dem fünften Platz. Zu einem Kräftemessen mit dem Süper-Lig-Primus Fenerbahçe wird es wohl nicht mehr reichen, da Carlos‘ Ex-Klub einen Zwölf-Punkte-Vorsprung auf Sivasspor aufweist. Doch der Zweitplatzierte Galatasaray hat nur vier Zähler mehr auf dem Konto und ist somit noch in Reichweite. Nicht nur in der Liga befindet sich Sivasspor in der Spur – auch im türkischen Pokal ist man unter den letzten acht Teams.

„Niveau ungefähr so hoch wie in der Serie A“

Mit Cicinho hat Carlos zudem noch einen alten Bekannten in die Türkei beordert. Der brasilianische Rechtsverteidiger gilt als Schlüsselspieler bei Sivasspor und stellte vor allem seine Vorlagengeberqualitäten unter Beweis. Mit seinen acht Vorlagen in der Hinserie knüpft Cicinho an seinen einstigen Zeiten bei Real Madrid und AS Rom an und nennt die Süper Lig sogar schon in einem Atemzug mit der Serie A: „Ich habe mich schnell eingewöhnt. Das Niveau in der Liga ist sehr hoch. Es gibt viele gute Teams und jedes Spiel ist eine Herausforderung. Ich würde sogar behaupten, das Niveau ist ungefähr so hoch wie in der Serie A. Fenerbahçe ist vielleicht der Titelfavorit, aber es ist noch eine Rückrunde zu spielen. Es kann noch Überraschungen geben und Sivasspor ist gut dabei.“

Carlos stichelt gegen seinen Ex-Verein

Sein Trainer ist sich sogar sicher, dass die Mannschaft dem Herbstmeister fußballerisch voraus sei: „Fenerbahçe hat bisher die meisten Punkte gesammelt, aber Sivasspor hat den besseren Fußball gespielt. Dies ist nicht nur meine Meinung, die ganze Türkei sieht das so.“ Doch damit nicht genug. Carlos sieht sich und sein Team noch längst nicht am Ende aller Ziele: „Wir haben die erste Saisonhälfte unter den ersten Fünf abgeschlossen und unser Ziel ist es, am Ende einen der ersten drei Plätze zu belegen.“

In der Hinrunde blieb Sivas gegen die Besserplatzierten noch sieglos. In den Duellen mit Fenerbahçe, Galatasaray, Kasımpaşa und Beşiktaş reichte es insgesamt nur zu einem Punkt. In den Rückspielen wird wohl Sivasspor daher auf den Heimvorteil setzen, denn die Istanbuler Klubs müssen allesamt noch in Sivas antreten.