Trabzon erwartet 50 Millionen US-Dollar

Der Abzug und die Rückführung des militärischen Geräts nach Deutschland stellen die deutschen Streitkräfte vor eine große logistische Herausforderung. Die Bundeswehr wird die am Schwarzen Meer gelegene türkische Hafenstadt Trabzon als Transitpunkt für den Abzug von Soldaten und Material aus Afghanistan nutzen. Geplant ist, das gesamte deutsche Material mit dem Flugzeug von den Stützpunkten in Afghanistan nach Trabzon zu fliegen und von dort an den Schwarzmeerhafen der Stadt zu transportieren. Von dort aus soll die militärische Fracht auf dem Seeweg zurück nach Deutschland verschifft werden. Der Abtransport des gesamten militärischen Geräts wird voraussichtlich zweieinhalb Jahre dauern.

Der Sprecher der Bundeswehr, Ludger Terbrüggen, sagte lokalen Medien an Bord eines Bundeswehrflugzeugs auf dem Weg von Deutschland nach Trabzon, dass die Anwesenheit der vielen deutschen Soldaten die Verschiffung des militärischen Materials beschleunigen werde.

„In den kommenden Tagen werden die Vorbereitungen für den Abtransport aus Afghanistan abgeschlossen und wir hoffen, dass die Unterkünfte, in denen wir das militärische Gerät in Trabzon unterbringen werden, (bald) fertig sind“, sagte Terbrüggen.

Bürgermeister von Trabzon sieht auch den wirtschaftlichen Aspekt des deutschen Abzugs

„Wir müssen diese Angelegenheit auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten. Fast 300 deutsche Militärangehörige werden für etwa zweieinhalb Jahre in Trabzon untergebracht sein. Der Prozess (des deutschen Abzugs aus Afghanistan) wird einen ernstzunehmenden Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Stadt ausmachen – voraussichtlich mit einem Gesamtwert von nicht weniger als 50 Millionen US-Dollar“, sagte der Bürgermeister Trabzons Recep Kızılcık bereits im letzten Monat.

Er kündigte außerdem einen massiven Anstieg der deutschen Transporttätigkeiten in Trabzon ab dem 1. April an und betonte, dass die Behörden alle dafür nötigen Schritte veranlasst haben, inklusive der Bereitstellung von Unterkünften und Parkplätzen für die deutschen Soldaten.

Anders als bei dem deutschen Patriot-Einsatz an der türkisch-syrischen Grenze, bei dem es zwischen deutschen und türkischen Militärs zu Verstimmungen kam, bemühen sich in Trabzon offenbar beide Seiten um ein harmonischen Ablauf und eine gute Zusammenarbeit. So betonte Terbrüggen die außerordentliche Gastfreundschaft der Stadt Trabzon und bedankte sich im Namen aller deutschen Soldaten bei den lokalen türkischen Beamten, besonders bei den türkischen Polizisten, für die gute Zusammenarbeit.

Deutsche Soldaten sind in Afghanistan seit 2002 unter der Führung der NATO als Teil der „Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe“ („International Security Assistance Force“, kurz ISAF) im Einsatz. Bis 2014 soll der Kampfeinsatz der NATO ganz beendet und die ausländischen Truppen aus dem Land abgezogen werden. Anschließend sollen deutsche Soldaten lediglich noch zu Ausbildungszwecken in Afghanistan verbleiben.