Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa
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Der Ex-Chefredakteur der türkischen Zeitung «Cumhuriyet» lebt im deutschen Exil. In der Türkei soll er noch mal vor Gericht und deshalb international gesucht werden. Dündar selbst findet das lächerlich.

Die Türkei will den in Deutschland lebenden Journalisten Can Dündar nach einem Bericht auf die Fahndungsliste der internationalen Polizeiorganisation Interpol setzen. Ein Istanbuler Gericht habe das Justizministerium aufgefordert, Dündar mittels einer sogenannten «Red Notice» bei Interpol suchen zu lassen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Zudem sei ein Haftbefehl ausgestellt worden. Dündar kritisierte die Entscheidung in einem auf Twitter verbreiteten Video und sagte, damit «blamiere» sich die Türkei vor der ganzen Welt.

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Hintergrund der Gerichtsentscheidungen sind laut Anadolu Veröffentlichungen aus dem Jahr 2015 in der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet», die Waffenlieferungen der türkischen Regierung an islamistische Rebellen in Syrien belegen sollen. Der ehemalige «Cumhuriyet»-Chefredakteur Dündar war im Mai 2016 wegen Geheimnisverrats zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Vom Vorwurf der Spionage wurde er damals freigesprochen. Ein Berufungsgericht kassierte das Urteil Anfang März jedoch und entschied, dass Dündar sich in einem neuen Verfahren auch wegen Spionage verantworten müsse.

Can Dündar: Schuld liegt nicht bei Journalisten

Zu den «Cumuriyet» Berichten von damals sagte Dündar, die Schuld liege nicht bei den Journalisten, sondern bei der türkischen Regierung, die ohne Zustimmung des Parlaments und ohne Wissen der Öffentlichkeit «illegal» Waffen nach Syrien geliefert habe. Die türkische Führung könne ihn und seine Kollegen «niemals einschüchtern», sagte Dündar. «Wir werden das, was wir als richtig erachten, in allen Bereichen bis zum Ende verteidigen.»

Dündar war nach seiner Verurteilung 2016 aus der Türkei ausgereist und im August desselben Jahres als Chefredakteur der «Cumhuriyet» zurückgetreten. Er lebt zurzeit in Deutschland.

Wenn ein Mitgliedsland einen Verdächtigen zur Fahndung ausschreiben will, informiert Interpol mit einer «Red Notice» («rote Notiz» oder «rote Ausschreibung») und steuert die länderübergreifende Kooperation. Jedes Land entscheidet selbst, ob es dem Fahndungsaufruf nachkommt.

 

dpa/dtj
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