Kräne und Rohbauten stehen am 15.10.2012 auf einer Großbaustelle mit modernen Hochhäusern in einem Geschäftsviertel der türkischen Hauptstadt Ankara - dpa

Die türkische Wirtschaft schaut trotz der politischen Turbulenzen der vergangenen Monate optimistisch in die Zukunft. In den ersten neun Monaten des Jahres ist die Wirtschaft nach amtlichen Angaben um etwa vier Prozent gewachsen und bewegt sich damit in dem von der Regierung angepeilten Korridor. Noch für fünf bis zehn Jahre werde man schneller wachsen als die EU-Staaten, prognostiziert die Regierung in Ankara.

Ein leichtes Jahr war es nicht. Der Krieg im Nachbarland Syrien hat Instabilität in den Süden der Türkei getragen und hält weiter einen wichtigen Handelsweg versperrt. Mit Ägypten hat sich das politische Verhältnis stark abgekühlt. Die heftigen Demonstrationen gegen die konservative türkische Regierung im Sommer haben Anleger weltweit verunsichert. Börsenkurse und die Türkische Lira sind in die Knie gegangen.

Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, deren Erfolg eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verknüpft ist, verspricht den Wählern wachsenden Wohlstand. In den nächsten drei Jahren will sie 1,8 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen und die Arbeitslosigkeit auf 8,9 Prozent verringern. Fünf Prozent Wachstum sollen es 2014 und 2015 sein, kündigt Finanzminister Mehmet Şimşek an. Im vergangenen Jahr hatte es wegen der internationalen Finanzkrise mit einem Wachstum von etwa 2,2 Prozent einen Dämpfer gegeben (2011: 8,5 Prozent, 2010: 9,2 Prozent).

Maschinenproduktion in zehn Jahren versiebenfacht

Bis zum Jahr 2023 – dem 100. Jahrestag der Republiksgründung – will die Türkei zum fünftgrößten Maschinen-Exporteur aufsteigen. Wie die Exportvereinigung für Maschinenbau und Zubehör MAIB erklärt, peilt das Land dann Maschinenexporte im Wert von 100 Milliarden Dollar an. Zurzeit liegt die Türkei weltweit auf Rang 27. Allerdings hat sich die Produktion der Maschinenbauer in den vergangenen zehn Jahren von 2 auf nun 14 Milliarden gesteigert.

Der wirtschaftliche Erfolg zieht weiter deutsche Unternehmen an. Im Dezember etwa hat der Badarmaturen-Hersteller Hansgrohe in Istanbul eine Vertriebsgesellschaft gegründet. „In den letzten Jahren hat sich der Markt durch einen Boom im Wohnungsbau sehr gut entwickelt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Siegfried Gänßlen. Die neue Gesellschaft soll auch Ausgangsbasis für Märkte im eurasischen Raum sein.

„Die Türkei bildet durch ihre geografische Lage zwischen Ost und West eine ideale Exportbasis“, stellt die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer fest. Erdoğans Regierung arbeitet daran, die Türkei weiter als Drehkreuz für die ganze Region in Position zu bringen.

Regierung will privaten Schulden den Kampf ansagen

Allerdings kämpft das Land weiter mit einer negativen Handelsbilanz, die sich vor allem aus den erheblichen Energieimporten und einer rasanten Inlandsnachfrage ergibt. Internationale Experten warnen schon länger vor möglichen Schwierigkeiten.

Der türkischen Regierung macht vor allem die Überschuldung über Kreditkarten Sorge. Die Kreditkartenschulden sind von 14 Milliarden Türkischen Lira im Jahr 2004 auf nun 82 Milliarden (rund 30 Mrd. Euro) gestiegen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan persönlich warnte seine Bürger vor dem Zahlungsmittel und einer drohenden Schuldenspirale. Ankara will mehr Regulierung. „Wenn Kredite für Exportfinanzierung, die Produktion und Investitionen ausgereicht werden, sagen wir Ja. Wir werden Nein sagen, wenn es nur um mehr Konsum geht“, sagte Vizeregierungschef Ali Babacan im November. (dpa/dtj)