Die türkische Autorin Asli Erdogan (50) erhält am Freitag den mit 25.000 Euro dotieren Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück. Erdogan wird die Auszeichnung bei einem Festakt im Friedenssaal des historischen Rathauses von Osnabrück persönlich entgegennehmen.

Erst seit Anfang September steht fest, dass die Schriftstellerin tatsächlich nach Deutschland kommen kann. Erdogan hatte überraschend ihren Reisepass zurückerhalten, so dass sie die Türkei verlassen kann. Zuvor war sie im August 2016 nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei zusammen mit weiteren Journalisten verhaftet worden. Sie wurde im Dezember unter Auflagen entlassen. Allerdings behielten die Behörden ihren Reisepass ein. Sie hatte deshalb zunächst ihr Kommen abgesagt und angekündigt, lediglich per Live-Schaltung an der Verleihung teilzunehmen.

Die Journalistin und Schriftstellerin wird laut Jury vor allem für ihre Berichte über die Auswirkungen der politischen Verhältnisse in der Türkei ausgezeichnet. Sie hat in ihren Texten Gewalt gegen Frauen und die Repression von Kurden in der Türkei angeprangert. Ausschlaggebend sei auch ihre jüngst erschienene Sammlung von Essays „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“, die derzeit nicht in der Türkei erscheinen können.

Buchhandel lobt  „unnachgiebigen Einsatz“ 

Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis (63), würdigte den „unnachgiebigen Einsatz“ der Autorin für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Er hatte sich unter anderem auch für ihre Ausreise eingesetzt und hält auf besonderen Wunsch der Preisträgerin die Laudatio.

Neben Erdogan wird am Freitag auch der Verein „Pulse of Europe“ ausgezeichnet. Er erhält für sein Eintreten für Europa den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis. Mit Blick auf zurückliegende und bevorstehende Wahlen in den USA, Europa und Deutschland sowie auf die Entwicklungen in der Türkei unterstütze die Jury das Anliegen des 2016 gegründeten Vereins, die Europäische Union als Bündnis zur Friedenssicherung zu erhalten, hieß es.

Die Stadt Osnabrück würdigt seit 1991 alle zwei Jahre beispielhaftes Engagement für Frieden, Humanität und Freiheit mit dem Preis. Dieser ist nach dem Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898-1970) benannt.

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KNA/mal/amo/joh