Die Türkische Lira hatte sich zuletzt deutlich stabilisiert, nun gibt die Währung gegenüber Dollar und Euro wieder nach.

Der im letzten Jahr vollzogene Kurs- und Personalwechsel schien langsam Früchte zu tragen. Nun sehen sich die türkischen Finanzmärkte wieder Turbulenzen ausgesetzt.

In der Türkei haben die Finanzmärkte mit drastischen Kurseinbrüchen auf die überraschende Entlassung des Notenbankchefs des Landes reagiert. Am Montag gerieten die türkische Währung, die Börse in Istanbul und Staatsanleihen des Schwellenlandes massiv unter Druck. Zeitweise verlor die türkische Lira über 15 Prozent an Wert.

Am Vormittag machte die Lira allerdings einen Teil der frühen Verluste wieder wett. Zuletzt wurden am Devisenmarkt für einen US-Dollar 7,93 Lira gezahlt. Auch zum Euro stand die Lira stark unter Druck und wurde zuletzt für 9,44 Lira je Euro gehandelt. Ende der letzten Woche lag der Kurs noch bei 8,63.

Ausverkauf am Aktienmarkt

Eine ähnlich verheerende Wirkung zeigte der überraschende Wechsel an der Spitze der türkischen Notenbank bei der Kursentwicklung von Staatsanleihen. Die in der heimischen Währung begebenen Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren erlitten einen heftigen Kurseinbruch, während die Rendite im Gegenzug um mehr als drei Prozentpunkte anstieg. Auch am türkischen Aktienmarkt gab es einen Ausverkauf. Der türkische Aktienindex BIST National 100 fiel im Vormittagshandel um 9,66 Prozent auf 1381,22 Punkte.

In der Nacht zu Samstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Zentralbankchef Naci Ağbal nach nur wenigen Monaten im Amt entlassen. Die Entscheidung erfolgte kurz nachdem die türkische Notenbank den Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation überraschend deutlich um 2,0 Prozentpunkte auf 19 Prozent angehoben hatte. Neuer Notenbankchef wird der staatliche Nachrichtenagentur Anadolu zufolge Şahap Kavcıoğlu, ehemaliger Abgeordneter von Erdoğans Regierungspartei AKP. Zuvor hatte sich der Präsident immer wieder für niedrigere Zinsen stark gemacht.

dpa/dtj