Premierminister Ahmet Davutoğlu sagte am Samstag, die Geiseln hätten um 5 Uhr morgens türkischen Boden betreten. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu bestätigte, dass insgesamt 46 türkische Geisel in der Türkei eingetroffen sein. Drei andere irakische Angestellte des türkischen Konsulars wurden laut al-Jazeera Turkish in den Irak gebracht.

Darüber, wie die türkischen Geiseln letztendlich befreit wurden, gibt es widersprüchliche Aussagen. Sinan Oğan, Abgeordneter der oppositionellen Milliyetçi Hareket Partisi (Partei der Nationalen Bewegung; MHP) sagte, die freigekommenen türkischen Geiseln wären über den Akçakale-Grenzübergang in die Türkei gekommen. Der Grenzübergang liegt nahe der vom IS kontrollierten Städte Tel Abyad und Raqqa.

Staatspräsident Erdoğan: Unsere Bürger sind dank einer Operation befreit worden

„Der im Irak seit einer bestimmten Zeit seiner Freiheit beraubte Generalkonsul von Mossul, seine Familie und die im Konsulat tätigen türkischen Staatsbürger sind in Folge einer erfolgreichen Operation befreit worden. Ich bin froh und erleichtert, dass die Geiseln ihre Freiheit zurückerlangt haben.“

Ministerpräsident Davutoğlu: Lasst uns doch wenigstens heute die Freude teilen

„Heute ist ein Festtag. Lasst uns doch wenigstens heute die Freude teilen. Fühlt doch einmal das, was diese Nation fühlt. Freut euch mit dem Volk, weint mit dem Volk. Nicht nur für unsere aus Mossul kommenden Geschwister und ihre Familien ist es ein Festtag, sondern für die gesamte Nation, von Hakkari bis Edirne, von Artvin bis Muğla. Über drei Monate haben wir an sie gedacht, Tag und Nacht. Besonders an die Kinder Deniz und Ela. Wir haben gebetet. Jetzt müssen wir das feiern und dankbar sein.“

Der Ministerpräsident ging auch auf die vielen Flüchtlinge im Land ein: „Genauso, wie das Leben dieser befreiten Bürger für uns heilig ist, so ist auch das Leben aller Flüchtlinge, die aus Syrien und dem Irak zu uns hergekommen sind, für uns heilig, ganz gleich, welcher Ethnie sie abstammen.“

Außenminister Çavuşoğlu: IS hat Versprechen nicht gehalten

„Die Geiseln hätten zu einem früheren Zeitpunkt ihre Freiheit zurückerlangen können, der IS hat sich aber nicht an Abmachungen gehalten. Die letzte Abmachung galt für den 20. September. Ich hoffe, wir werden nicht noch einmal in solch eine Situation geraten. Die Türkei hat diese sehr gut gemeistert.“ Auf Details ging Çavuşoğlu nicht ein, betonte aber, dass bei der Befreiung der Geheimdienst, der Generalstabschef und das Außenministerium eng zusammengearbeitet hätten.

CHP-Chef Kılıçdaroğlu: Willkommen in der Freiheit und in eurer Heimat

„Ich heiße euch Geschwister, die nach 101 Tagen in der Hand der Terrormiliz IS befreit wurden, in der Freiheit und eurer Heimat willkommen. Ich bin sehr glücklich, dass es keine Verluste gegeben hat und der Gesundheitszustand aller Geiseln gut ist. Unsere Nation darf heute stolz sein, ich danke allen, die bei der Befreiung in irgendeiner Weise mitgewirkt haben.“

CHP-Angaben zufolge hat es am Samstag auch ein Telefonat zwischen Kılıçdaroğlu und Premierminister Davutoğlu gegeben. Darin habe der Oppositionspolitiker den Ministerpräsidenten seine Glückwünsche zur Befreiung der Geiseln überbracht. Davutoğlu habe sich bedankt und entgegnet, wie wichtig es sei, in solchen Zeiten über die Parteigrenzen hinweg zusammenzuhalten.

Ehemaliger Staatspräsident Gül: Alle haben ihre Arbeit gemacht

„Es war eine schwierige Phase, jeder hat seine Arbeit sehr detailgenau und pflichtbewusst gemacht. Vieles blieb der Öffentlichkeit verwehrt, aber das musste so sein, um die Sicherheit und Gesundheit unserer Bürger nicht aufs Spiel zu setzen. Es gab auch Stimmen, die forderten, dass die Details berichtet werden sollten. Das war eine Zwickmühle. Es ist eine große Freude, erfahren zu dürfen, dass die Geiseln wieder in ihrer Heimat sind. Wir müssen aber weiterhin sehr vorsichtig sein.“

Vizepremier Arınç: Den größten Anteil hat der Geheimdienst

„Wir haben die Nachricht mit großer Freude erfahren. Das ist ein Festtag. Denn die letzten drei Monate waren für uns alle sehr schwierig. Es gab Nächte, wo an Schlaf nicht zu denken war. Ich begrüße alle unsere Geschwister, die heute wieder in Sicherheit zurückgekehrt sind. Unser Premierminister und unsere Regierung haben gute Arbeit geleistet. Aber den größten Anteil hat der MIT, unser Geheimdienst.“

AKP-Politiker und Gaziantep-Abgeordneter Şamil Tayyar: Das war ein Zug der CIA

„Einer der Gründe, warum die Türkei sich nicht an einer Militäroperation gegen IS beteiligen wollte, waren die Geiseln. Dass diese jetzt in dieser kritischen Phase freigekommen sind, ist ein Zug der CIA. Ich bin froh, dass unsere Diplomaten wieder in der Türkei sind. Diejenigen, die eine Verbindung zwischen der Türkei und IS herstellen, haben das fiese Spiel wohl neu begriffen. Der IS ist eine Falle, ich beglückwünsche unsere Regierung und den Geheimdienst, dass sie nicht hineingetappt sind und unsere Geiseln befreit haben.“