Members of Islamic State (IS) on the Syrian side of the border with Turkey, near Sanliurfa, Turkey, 06 October 2014.

Wie die Londoner Zeitung Times berichtet, sollen mittlerweile Details über die Vereinbarung vorliegen, die seitens der türkischen Regierung mit den Terrormiliz „Islamischer Staat“ getroffen worden sein soll, um die 49 Geiseln zu befreien, welche die Extremisten seit der Erstürmung der türkischen Botschaft in ihrer Gewalt hatten und die am 20. September in die Türkei verbracht werden konnten.

Die Geiseln sollen, so berichtet das Blatt, gegen 180 Djihadisten ausgetauscht worden sein. Konkret soll es dabei um Angehörige unterschiedlicher syrischer Oppositionsgruppen gehandelt haben, darunter in der Türkei inhaftierte Terroristen, verletzte IS-Kämpfer, die in türkischen Krankenhäusern behandelt worden sein sollen, und europäische Salafisten.

Dabei sollen unter anderem drei Männer aus Frankreich, zwei Schweden, zwei mazedonische Albaner, ein Schweizer, ein Belgier und zwei britische Staatsangehörige unter den Personen gewesen sein, die man an den IS übergeben habe.

Die Zeitung berief sich auf eine Liste, die ihr zugespielt worden sei. Ein namentlich nicht genannter Informant aus dem britischen Verteidigungsministerium habe auf Nachfrage der BBC gegenüber erklärt, dass der Times-Bericht „glaubhaft“ sei.

Die türkischen Behörden haben bis heute offen gelassen, wie es zu der Freilassung der in der Botschaft zu Mossul beschäftigten Geiseln und deren Familien gekommen war. Sie machten nur deutlich, dass die Nationale Geheimdienstorganisation der Türkei (MİT) die Operation ausgeführt habe und dass kein Lösegeld geflossen sei. Gerüchte über einen Austausch von Personen wurden hingegen bis dato weder bestätigt noch dementiert.

Diplomatische Verstimmungen mit Großbritannien zu befürchten

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sprach im Zusammenhang mit der Geiselbefreiung von einer „gelungenen verdeckten Aktion“. Die britische Regierung schließt ihrerseits jedwede Verhandlungen mit den IS-Terroristen aus.

Die britische Öffentlichkeit interessiert sich in diesem Zusammenhang vor allem für die Identität jener britischen Staatsbürger, die als Djihadisten nach Syrien eingereist waren und möglicherweise in die Ermordung des am Freitag von IS-Terroristen enthaupteten 47-jährigen Briten Alan Henning involviert sind, der bereits im Dezember des Vorjahres als Taxifahrer für eine Hilfsorganisation in die Hände der Terrormiliz gefallen war.

Bei den ausgetauschten Djihadisten soll es sich zum einen um den 18-jährigen Oberschüler Shabazz Suleman aus High Wycombe gehandelt haben, der als unauffällig galt und von seiner Familie als vermisst gemeldet wurde. Er soll sich vor seiner Einreise nach Syrien in der Türkei aufgehalten haben. Beim anderen Briten soll es sich um den 26-jährige Hisham Folkard handeln, dessen katholischer Vater nach eigenen Angaben der Times gegenüber seit Anfang August keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn gehabt haben soll, nachdem Anti-Terror-Ermittler ihn nach Hishams älterem Bruder Omar befragt hätten. Die beiden jungen Männer, die zuvor von ihrer getrennt lebenden Mutter zu sich genommen worden waren, sollen vorgehabt haben, in den Jemen zu reisen, um „den Islam zu studieren“.

Suleman, der zu den Schulbesten an der Royal Grammar School in High Wycombe gehört haben soll, habe Freunden zufolge Unterstützung für das „Islamische Kalifat“ geäußert.

„Deso Dogg“ landet nun auf der UN-Terrorliste

Unter den Mindestens 500 britischen Staatsangehörigen, die sich dem IS angeschlossen haben, befindet sich unter anderem ein vermummt auftretender Extremist mit britischem Akzent, der bislang an allen vier bekannt gewordenen Enthauptungen britischer Staatsangehöriger mitgewirkt haben soll. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es sich dabei um einen ursprünglich aus Ägypten stammenden Londoner Rapper namens Abdel-Majed Abdel Bary, bekannt unter dem Künstlernamen „L. Jinny“, der 1993 als Asylbewerber mit seinen Eltern nach London gekommen sein soll.

Im weiteren Verlauf der Woche soll nun auch der bereits mehrfach für tot erklärte deutsche Rapper Denis Cuspert („Deso Dogg“) auf die Terrorliste der Vereinten Nationen gesetzt werden. Dies würde, wie der Mediendienst Telepolis herausfand, auch ein „rechtlich bindendes Zahlungsverbot“ bedeuten, das einer weiteren Auszahlung von Tantiemen seitens der Musikverwertungsgesellschaft GEMA entgegenstehe. Wie hoch diese im letzten Jahr waren, wollte die GEMA aus „Datenschutzgründen“ nicht kommentieren.