Trotz eines Aufrufs zur Zinssenkung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat die türkische Notenbank ihren Leitzins überraschend deutlich angehoben. Der Schlüsselzins für einwöchige Ausleihungen der Geschäftsbanken steige von derzeit 7,5 Prozent auf 8,0 Prozent, teilte die Notenbank in Ankara am Donnerstag mit. Den Druck auf die Landeswährung Lira linderte das aber nur vorübergehend. Nach der Zinsanhebung stürzte die Währung auf einen Rekordwert von 3,44 Lira je Dollar ab, ein Euro kostete 3,63 Lira. Es handelt sich um die erste Leitzinsanhebung seit Anfang 2014.

Seit der Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten hat die türkische Währung zum Dollar acht Prozent an Wert verloren. Die Erwartung steigender Zinsen in den USA lässt Anleger aus vielen Schwellenländerwährungen Geld abziehen. In der Türkei belastet zudem die politische Unsicherheit seit dem Putschversuch im Juli die Lira. Am Donnerstag empfahl das Europaparlament in einer Resolution außerdem, die Beitrittsgespräche mit der Türkei einzufrieren. Die Resolution ist für die EU-Kommission nicht bindend.

Erdoğan stemmt sich seit langem gegen eine Erhöhung des Leitzins durch die Notenbank. Er hatte am Mittwoch erneut an die Banken appelliert, die Zinsen zu senken. Zur Unabhängigkeit der Notenbank sagte er: „Habe ich die Befugnis, mich offiziell bei ihr einzumischen? Nein.“ Er habe aber das Recht, als Präsident öffentlich Kritik zu üben. „Denn ich bin es, der vor seinem Volk die Ohrfeige abbekommt, nicht der (der Notenbank) vorstehende Bürokrat.“ (dpa/dtj)