ARCHIV: Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim kritisiert die USA wegen des Visa-Streits. Die USA hätten eine Entscheidung getroffen, die mit den Beziehungen als Verbündete nicht vereinbar sei. Das bedauere er sehr, so Yildirim am Dienstag bei einer Rede vor Parteimitgliedern der AKP. Dennoch würden die Sicherheitsvorkehrungen für US-Vertretungen in der Türkei fortgesetzt. Die Türkei sei kein Stammesstaat: „Das, was uns angetan wird, werden wir in doppeltem Umfang erwidern. Das haben wir auch einige Stunden später getan“, so Yildirim. Man müsse die Probleme zwischen Staaten lösen, in dem man sie bespreche. Zwischen unterschiedlichen Staaten könne es keine dauerhafte Feindschaft oder Freundschaft geben, so der Ministerpräsident weiter. 

„Werden wir die Herrschaften um Erlaubnis bitten, oder was?“

Die USA fühle sich laut Yildirim davon gestört, dass im Rahmen der ´Prozesse` gegen Anhänger der Gülen-Bewegung ein juristisches Prozess gegen US-Mitarbeiter eingeleitet wurde: „Die Türkei ist ein Rechtsstaat. Werden wir die Herrschaften um Erlaubnis bitten, oder was?“

Die Krise Ankaras mit den USA mündete inzwischen in der gegenseitigen Visablockade. Die Visasperre erschwert es Geschäftsreisenden und Touristen erheblich, in das jeweils andere Land zu reisen.

Visa-Streit hat Auswirkungen auf Wirtschaft

Angesichts des Visastreits brach der Aktienkurs von Turkish Airlines an der Börse in Istanbul zwischenzeitlich um mehr als neun Prozent ein. Die Fluglinie teilte mit, Tickets auf Routen zwischen der Türkei und den USA könnten für Staatsbürger der beiden Länder bis Monatsende kostenfrei umgebucht oder erstattet werden. Der Streit belastete die türkische Börse und Währung der Türkei am Montag erheblich.

Im vergangenen Jahr reisten nach offiziellen türkischen Angaben 313 654 Türken in die USA. Umgekehrt kamen 2016 nach Statistiken der Regierung in Ankara 459 453 Amerikaner in die Türkei. Der gegenseitige Stopp der Visavergabe belastet die ohnehin angespannten Beziehungen der beiden Nato-Staaten schwer. Die USA fordern wie Deutschland die Freilassung inhaftierter Staatsbürger in der Türkei.

dpa/dtj