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Politik

Mit 17 000 Tweets pro Minute gegen das Verbot

Die Twitter-Sperre in der Türkei verfehlt offenbar ihre Wirkung. Nutzer finden Mittel und Wege, um die vom Regierungschef angeordnete Blockade zu umgehen – und twittern fleißig gegen das Verbot. (Foto: dpa)

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Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter in der Türkei umgehen die von der Regierung auferlegte Sperre eifrig. Darunter sogar führende Mitglieder der regierenden Adalet ve Kalkınma Partisi (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung, kurz AKP), so etwa Staatspräsident Abdullah Gül. Nach Angaben von Datenauswertungsdiensten wurden in den ersten 36 Stunden des Verbots Millionen von Tweets abgesetzt. Nach Einschätzung der Medien-Ratingagentur Somera nahm die Nutzung von Twitter seit der Sperre, die in der Nacht zum Freitag in Kraft trat, sogar um 33 Prozent zu. Datendienste schätzten die Zahl der aus der Türkei pro Minute abgesetzten Tweets auf 17 000.

Twitterer können die von Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan veranlasste Blockade umgehen, indem sie ihre Identität und die Herkunft ihrer Netzeinwahl verschleiern. Solche Verschlüsselungsprogramme sind frei im Internet erhältlich. In Istanbul beschrieben mittlerweile auch Graffiti an öffentlichen Plätzen und sogar einige Radiosender, wie weiter getwittert werden kann.

Erdoğan-Tonbandmitschnitte Grund der Verbote?

Unterdessen weigert sich die Google-Videoplattform YouTube laut einem Zeitungsbericht, Clips auf Forderung der türkischen Regierungsbehörden zu löschen. Dies könnte dazu führen, dass der Zugang zu YouTube in der Türkei genauso gesperrt wird wie zuvor zu Twitter. Einige Mitarbeiter des Unternehmens rechneten mit einer schnellen Reaktion der Behörden, hieß es.

Bei YouTube waren Telefonmitschnitte veröffentlicht worden, mit denen Ministerpräsident Erdogan der Korruption bezichtigt wird. Der Zugang zu Twitter in der Türkei war unter anderem deshalb gesperrt worden, weil über den Kurznachrichtendienst Links zu den entsprechenden Mitschnitten bei YouTube verbreitet wurden.

(dpa/dtj)