Die Anzeichen der Krise, mit denen die türkische Tourismusbranche auch selbst rechnet, verdichten sich in diesen Tagen. Seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets Ende November des vergangenen Jahres durch die türkische Luftwaffe bleiben die russischen Touristen aus. Sie stellten vor der Krise laut dem türkischen Tourismusministerium mit über 4,5 Millionen Touristen nach Deutschland die größte Gruppe. TAVAK (Türkische-Europäische Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung) rechnet in diesem Jahr, nachdem es am Wochenende erneut zu Wortgefechten zwischen Ankara und Moskau gekommen war, nicht mehr mit Touristen aus der Russischen Föderation. „Nicht nur lehnt Russland die türkischen Exporte ab, sondern der russischen Präsidenten Wladimir Putin ließ auch alle Charterflüge in die Türkei streichen, somit werden dem Land 4,5 Millionen russische Touristen im Jahr 2016 fehlen“, heißt es in einer heute (Montag) veröffentlichten Mitteilung.

Auch der Terroranschlag im Zentrum von Istanbul Anfang dieses Jahres hat Auswirkungen auf den Tourismus. Bei dem Anschlag auf dem unter Touristen sehr begehrten Sultanahmet-Platz wurden insgesamt elf Menschen Opfer eines Selbstmordanschlages, alle stammten aus Deutschland. In der Folge bleiben nun nicht nur Reservationen aus Deutschland, sondern auch aus anderen europäischen Ländern aus.

Der Vorstandsvorsitzende des Denizli Colossae Thermal Hotels, Abdurrahman Karamanlıoğlu, sagt, dass viele Hotelbesitzer den Betrieb ohne Gäste nicht mehr aufrecht erhalten könnten und unter Handlungszwang stünden: „Seit der Flugzeugkrise mit Russland stehen viele Hotels in Antalya, aber auch anderorts vor einer Existenzkrise. Viele von ihnen können ihre Kreditkartenrechnungen nicht begleichen. Wir sprechen die nur die Fakten an. Viele wollen aber das rosarote Bild aufrechterhalten. Insbesondere in Antalya sind einige Hotels seit vier Monaten geschlossen.“

Die am Mittelmeer gelegene Hauptstadt des türkischen Tourismus Antalya ist die Hochburg sowohl für Touristen aus Deutschland als auch aus der Russischen Föderation. Allein hier stehen dem Vernehmen nach 410 Hotels zum Verkauf, darunter 120 Fünf- Sterne-Hotels.

Im Gegensatz zu Russland ermutigte etwa Bundesinnenminister Thomas de Maizière die deutschen Touristen, weiter an ihren Reiseplänen festzuhalten.