Türkei auf Rang 2 unter den „glaubensstärksten” Nationen

Der im 19. Jahrhundert lebende Philosoph Friedrich Nietzsche sagte voraus, dass der Glaube an Gott in der modernen Ära verfallen würde. Der türkische Sozialwissenschaftler Ali Bulaç hingegen hält an seiner Antithese über den Fortbestand der Religionen im modernen Zeitalter fest. Eine internationale Studie von Ipsos und Reuters zum Thema „Gott und die Welt” in der derzeitigen Ära der Postmoderne scheint – sieht man von einigen Gebieten Westeuropas ab – weitgehend Bulaç Recht zu geben.

Das in Kanada ansässige Meinungsforschungsunternehmen Ipsos hat in Zusammenarbeit mit der Nachrichtenagentur Reuters eine Umfrage über die „göttliche Existenz“ durchgeführt. An der Umfrage haben rund 19.000 Menschen in 23 Ländern teilgenommen. Den Forschungen zufolge glauben 51 Prozent der Menschen an ein göttliches Wesen oder an einen Schöpfer. 18 Prozent der Befragten hingegen sind nicht überzeugt von einer schöpferischen Gewalt. Allerdings ist die Quote der „Unsicheren“ die die göttliche Existenz weder befürworten noch bestreiten, mit 17 Prozent fast mit jener derjenigen, die jegliche Präsenz einer „höheren Macht“ ablehnen, identisch.

Türkei im oberen Drittel

Die Studie weist weitere interessante Ergebnisse aus: Von 23 Nationen sind Indonesier mit 93 Prozent die glaubensstärksten – im Windschatten gefolgt von der Türkei mit 91 Prozent. Bemerkenswert ist, dass mehrere europäische Nationen die unteren Ränge der Studie belegen: Mit 39 Prozent ist Frankreich das Land, in der die meisten Areligiösen leben. In Belgien liegt diese Quote bei 37 und in Schweden bei 36 Prozent.

Darüber hinaus veranschaulicht die Studie der Ipsos-Reuters-Kooperation auch den Anteil der Polytheisten, nämlich jener Glaubensrichtung, die an mehrere diverse Initiatoren der Schöpfung glauben. Laut den Ergebnissen der Umfrage glauben 24 Prozent der Inder, 14 Prozent der Chinesen und sogar 10 Prozent der Russen an mehrere Götter.

Mehr als die Hälfte glaubt an ein „Jenseits“

Bei der Meinungsumfrage wurden die Teilnehmer auch über das „Leben nach dem Tod“ befragt. Demnach glauben weltweit 51 Prozent der Menschen an ein solches. Jedoch sind 23 Prozent dieser Befragten skeptisch über eine Existenz von Paradies und Inferno, wie sie die abrahamitischen Weltreligionen postulieren. Daneben beträgt die Quote derjenigen, die eine Reinkarnation für wahrscheinlich halten, 7 Prozent, 23 Prozent glauben gar nicht an ein Jenseits und 26 Prozent sind in dieser Frage unsicher.

Die Türkei nimmt auch beim Thema „Himmel und Hölle“ mit die oberen Plätze unter den teilnehmenden 23 Ländern ein. Der Glaube an das Jenseits ist wiederum in Indonesien am weitesten verbreitet: 62 Prozent glauben an Himmel und Hölle. In der Türkei und Südafrika liegt die Quote bei jeweils 52 Prozent; in den Vereinigten Staaten glauben 41 Prozent der Teilnehmer an Schuld und Sühne nach dem Tode.

Dagegen glauben 40 Prozent der Südkoreaner, 39 Prozent der Spanier sowie 37 Prozent der Franzosen und Japaner an kein Leben nach dem Verscheiden.

Evolution oder Schöpfung?

Auch das Thema „Evolution und Schöpfung“ wurde in der Studie behandelt. Weltweit halten 41 Prozent der Menschen die Evolutionstheorie für wahr. Diese Rate liegt in Schweden bei 68 Prozent; in Deutschland sind es 65 Prozent, 64 Prozent in China, hingegen nur 19 Prozent in der Türkei.

Dagegen bezeichneten sich weltweit 28 Prozent der Teilnehmer als Anhänger eines „Intelligent Design“ – sie halten die Evolutionstheorie für einen denkbaren Erklärungsansatz, gehen aber davon aus, dass dahinter eine zielgerichtet handelnde schöpferische Kraft steht. Der Anteil der Schöpfungsgläubigen insgesamt lag in Saudi-Arabien bei 75 Prozent, in der Türkei bei 60 Prozent und in Indonesien bei 57 Prozent.

Anteil Glaube an schöpferische Existenz:

1. Indonesien 93%
2. Türkei 91%
3. Brasilien 88%
4. Südafrika 83%
5. Mexiko 78%
6. USA 70%
7. Argentinien 62%
8. Indien 56%
9. Russland 56%
10. Polen 51%

Anteil der Befürworter der Evolutionstheorie:

1. Schweden 68%
2. Deutschland 65%
3. China 64%
4. Belgien 61%
18. USA 28%
19. Russland 26%
20. Brasilien 22%
21. Türkei 19%
22. Südafrika 18%
23. Indonesien 11%
24. Saudi-Arabien 7%