Türkei ausgebootet: EM-Finale 2020 in Istanbul als Trostpflaster?

Fußball verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt der Tatsache, dass es sich bei ihm um einen sehr konservativen Sport handelt. Grundlagen, Strukturen und Organisationsformen sind sehr stabil und halten sich über Jahrzehnte hinweg weitgehend unverändert, Neuerungen brauchen eine lange Anlaufzeit und werden nicht selten ebenso schnell wieder verworfen, wie sie gekommen sind – man denke nur an das jähe Ende des Golden Goals bei Weltmeisterschaftsturnieren.

Kündigt ein Verband an, Änderungen ins Auge zu fassen, entwickeln Fußballfans nicht selten allergische Abwehrreaktionen. Und sie liegen damit auch meist richtig.

Seit dem gestrigen Donnerstag hat der europäische Fußballverband UEFA auch in der Türkei einige Freunde weniger. Ausgerechnet das Jahr 2020, für das der Türkische Verband sich bereits als Ausrichter beworben hatte, soll der Ausgangspunkt für eine Änderung des Austragungsmodus sein, von dem UEFA-Chef Michel Platini so überzeugt sein soll, dass er nach Angaben der „Neuen Zürcher Zeitung“ bereits jetzt eine Rückkehr zur gewohnten Form nicht ausschließen will.

Die „Euro für Europa“ soll – so beschloss das Exekutivkomitee der UEFA am Donnerstag in Lausanne -ab 2020 nicht mehr durch einen oder zwei Gastgeber organisiert werden. Angesichts der europäischen Wirtschaftskrise wäre die Arbeit für potenzielle Gastgeber dadurch so stark erschwert, dass es erforderlich wäre, die Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Die „Euro 2020“ soll in mehreren Großstädten über den gesamten Kontinent verteilt stattfinden – angesichts der Tatsache, dass auch das Teilnehmerfeld ab 2016 von 16 auf 24 Mannschaften anwachsen soll, sollen manche Fans spontan schon von potenziellen Vorrundenspielen wie Österreich-Luxemburg in Toftir zu schwärmen begonnen haben.

Halbfinal- und Finalspiele sollen an einem Ort konzentriert stattfinden

Die 53 Mitgliederverbände sind dem Vorschlag des UEFA-Präsidenten Michel Platini mit großer Mehrheit gefolgt, dagegen stimmte vor allem die Türkei. Immerhin dürfte für das Land aber ein Trostpflaster vorgesehen sein: Die UEFA will mögliche Städte in einem einjährigen Bewerbungsverfahren auswählen. Im Frühjahr 2014 sollen die 12 oder 13 Austragungsorte feststehen. Die ersten Pläne sehen vor, dass die Gruppenphase sowie Achtel- und Viertelfinale auf dem ganzen Kontinent verstreut sein werden. Die Halbfinalspiele und das Finale sollen aber in einer Stadt ausgetragen werden – und in diesem Zusammenhang soll Istanbul als Austragungsort ein ernsthafter Kandidat sein.

„Wir müssen keine Stadien oder Flughäfen bauen, gerade jetzt in Zeiten der wirtschaftlichen Krise“, hatte Platini bereits im Sommer des Jahres geäußert. Mit dem neuen Format müssten sich nicht mehr ein einzelnes oder zwei Länder unter großen Anstrengungen fit machen, sondern das Turnier würde dort ausgetragen, wo jetzt bereits taugliche Bedingungen vorhanden seien, beispielsweise in Barcelona. München oder Amsterdam. Es müssten nicht mehr mit großem Aufwand Stadien ausgebaut werden, die später nicht mehr in diesem Ausmaß gebraucht würden, wie dies beispielsweise in der Ukraine oder der Schweiz der Fall war.

Abgesehen davon würde der Verband seinen Gewinn massiv ausbauen können. Ein Spiel der Niederlande gegen Deutschland müsste nicht mehr in der 30.000-Zuschauer-Arena einer belgischen Kleinstadt ausgetragen werden, sondern könnte beispielsweise in Mailand vor mehr als doppelt so vielen Zuschauern stattfinden.