Türkei: Başçı zum weltweiten „Banker des Jahres“ gewählt

Erdem Başçı, der Vorsitzende der türkischen Zentralbank, hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die Türkei aus der Finanzkrise – welche 2008 mit der Immobilienkrise in den USA begonnen hat und einen Dominoeffekt bis in viele europäische Staaten gezeitigt hatte – weitgehend unbeschadet überstanden hat und allenfalls minimale Schäden davongetragen hat. Die Zeitschrift „The Banker“, welche seit 1928 gedruckt und an den internationalen Finanzmärkten aufmerksam verfolgt wird, hat Başçı zum „Zentralbankvorsitzenden des Jahres“ auf internationaler und europäischer Ebene gewählt.

Die erfolgreiche Verwirklichung der sanften Landung infolge der Schaffung eines Zinskorridors und andere Entscheidungen Başçıs haben international Aufmerksamkeit erregt und die Nominierung möglich gemacht. „The Banker“ betonte von Beginn an, dass diese Auszeichnung für 2012 bewusst an eine Verantwortung tragende Persönlichkeit verliehen werden sollte, die es geschafft habe, durch alle Wirtschaftsturbulenzen hindurch die Volkswirtschaft ihres Landes erfolgreich zu verwalten. In diesem Zusammenhang hatte Başçı im letzten Jahr mittels der Entlastung des Finanz-Realsektors und mit neuen wirtschaftspolitischen Strategien die Achtung vieler internationaler Experten gewonnen.

Auf Grund seiner wirtschaftlichen und geldpolitischen Erfolge gilt Başçı nun auch als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Bereits Durmuş Yılmaz, der 2011 den Vorsitz der Zentralbank an Başçı übergab, hatte bedeutende Erfolge erreicht. Im Jahre 2007 wählte die vom IWF und der Weltbank herausgegebene Zeitschrift „Die Schwellenmärkte“ Yılmaz mit Blick auf seine erfolgreichen Strategien ihrerseits zum „Zentralbankvorsitzenden des Jahres“. Außerdem erhielt Yılmaz 2009 von der Zeitschrift „Euromoney“ eine gleichlautende Auszeichnung.

Schnelle und flexible Reaktionsstrategie

„The Banker“ macht in der Begründung seiner Preisverleihung darauf aufmerksam, dass das Kapital auf Grund der sehr niedrigen Zinsen seitens der IWF, in den USA und in Europa auf dem Markt erfolgversprechenden Anlagen zufließt und sich somit die verbreitete kritische Einstellung gegenüber der jahrelangen Opposition Başçıs zu Kapitalverkehrskontrollen 2012 verändert hat:

„Die Türkei, welche in 2011 zur weltweit am zweitschnellsten wachsenden Volkswirtschaft nach China geworden ist – und dies ohne eine Devisen-Kontrolle -, gilt nun als eine der wichtigsten Ziele, dem das heiß ersehnte Geld zufließt. Diese Situation hat zwar einen Druck in Richtung Wertgewinnung auf die Türkische Lira veranlasst, doch hat Erdem Başçı es angesichts dieser dramatischen Änderung der politischen Rahmenbedingungen nicht als notwendig angesehen, eine Änderung durchzuführen. Erdem Başçı hat gesagt, dass bei der Anwendung sorgfältig entworfener Makro-Reserve-Strategien, eine Stabilität der Kapitalströme auch ohne einen Rückgriff auf Kapitalverkehrskontrollen erreicht werden könnte.“

Ab Ende 2010 wurde angesichts des Wertgewinnungsdrucks auf die Türkische Lira eine Reihe von Zinssenkungen auch durch Erdem Başçı durchgesetzt: „Die Zentralbank der Republik Türkei (TCBM) hat in diesem Zeitraum hinsichtlich der Leitzinsen unter anderem auch mit der Umsetzung des Zinskorridors begonnen. Diese Situation hat dazu geführt, dass die starken Kapitalzuflüsse noch geringere Renditen abwerfen und somit die Ankunft des gewinnsuchenden ausländischen Geldes in der Türkei verzögert. Das jährliche Kreditwachstum beträgt über 30%, deswegen war es nötig, eine Art Straffung der Geldpolitik einzuführen, mit dem Ziel, die niedrigen Zinsen zu schützen und eine Überhitzung zu vermeiden. Diese Straffung wurde mittels hoher Reservesätze verwirklicht. Da die Banken angesichts eines solchen Signals eher eine Erhöhung der Zinssätze gewöhnt sind, haben sie diese Situation zunächst einmal verurteilt, doch die TCBM und die Agentur der Bankenaufsichtsbehörde haben im Wege einer Kooperation die richtige Wahrnehmung des Signals bewirken können“, erklärt „The Banker“.

Die sanfte Landung wurde verwirklicht

Die Zeitschrift teilt mit, dass Başçı damit begonnen hätte, die Finanzierungsstruktur aus der Zusammensetzung der Nachfrage und der Kapitalströme in die gewünschte Richtung zu bewegen und auf diese Weise zu einer Stabilisierung der Inlands-und Auslandsnachfrage ab Mitte 2011 beitragen konnte. Außerdem erinnerte sie daran, dass die Zentralbank in letzter Zeit den Mechanismus der Reserve-Option anwende. Başçı sagte, dass dieser Mechanismus die Flexibilität der Geldpolitik erhöhe und für die Türkei als automatischer Stabilisator der kurzfristigen Kapitalströme diene.

„Die Ergebnisse zeigen wenigstens soweit eine Verwirklichung der sanften Landung und dass die Szenarien eines befürchteten harten Wachstums oder einer Schrumpfung nicht stattgefunden haben“, so das Fachblatt.

Darüber hinaus wurden auch noch Mark Carney, der Vorsitzende der kanadischen Zentralbank, zum Zentralbankvorsitzenden des Jahres in Amerika; Amando Tetangco, der Vorsitzender der Zentralbank der Philippinen für die Asien-Pazifik-Region; Fahad El-Mobarak, der Vorsitzender der Zentralbank Saudi-Arabiens für den Nahen Osten und Jose Massano, der Vorsitzende der Zentralbank Angola zum Zentralbankvorsitzenden des Jahres für Afrika 2012 gewählt.

Im Jahr zuvor wurde Agustin Cartens, der Vorsitzender der Zentralbank Mexikos mit dem Preis für den erfolgreichsten Notenbankchef auf internationaler Ebene ausgezeichnet.