Türkei: Erdoğan trifft Hamas-Führer Maschal

Ezzat Rischq, Mitglied des Politbüros der Hamas, schrieb auf seiner Facebook-Pinnwand, dass eine von Maschal angeführte Delegation am Montag einen offiziellen Türkeibesuch abhalten werde. Das Informationsbüro der palästinensischen Organisation sagte, es werde erwartet, dass die Delegation einige hohe türkische Regierungsvertreter treffen wird.

Nach Angaben nahestehender Quellen diskutierten Maschal und Erdoğan während des Treffens über die momentane Lage in Gaza und andere regionale Entwicklungen, wie etwa den eskalierenden Syrienkonflikt und die Frage nach einer Aussöhnung zwischen den beiden verfeindeten palästinensischen Organisationen Hamas und Fatah.

Der Disput zwischen den beiden Fraktionen konnte bislang auf Grund von Meinungsverschiedenheiten bei Themen wie der Machtverteilung in einer möglichen gemeinsamen nationalen Koalitionsregierung und den zukünftigen Status von Gaza innerhalb der palästinensischen Autonomiegebiete nicht beigelegt werden. Die säkulare Fatah und die konservative Hamas scheinen momentan weit von einer Lösung der Streitigkeiten entfernt zu sein. Die Türkei befürwortet eine baldige Aussöhnung der beiden Gruppen.

Seit Juni 2007 sind die Palästinensischen Autonomiegebiete de facto zweigeteilt. Die unter palästinensischer Kontrolle stehenden Teile des Westjordanlands werden von einer Fatah-Regierung unter Mahmud Abbas geführt. Der Hamas gelang es im Sommer 2007, die Fatah gewaltsam aus dem Gazastreifen zu vertreiben. Seitdem regiert sie in dem dicht bevölkerten Küstenstreifen.

Ägypten flutet und sprengt Schmugglertunnel in Gaza – Durchsetzung der israelischen Blockade?

Die Türkei war ein starker Unterstützer des Vorhabens von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, die Palästinensergebiete bei den Vereinten Nationen als Beobachterstaat (non member observer state) anerkennen zu lassen. Außerdem mobilisierte die Türkei alle möglichen diplomatischen Kräfte, um einen Waffenstillstand im Gazakrieg 2012 zu erreichen.

Zur Bekämpfung von Schmugglern hat Ägypten unterdessen Dutzende Tunnel unterhalb der Grenze zum Gazastreifen geflutet oder gesprengt. „Vor einigen Tagen haben die Ägypter Abwasser in die Tunnel gepumpt, und wir versuchen auf unserer Seite, die Brühe wieder abzupumpen“, sagte Abu Hani, ein palästinensischer Tunnelbetreiber aus Rafah. Preissteigerungen für geschmuggelte Baumaterialien oder Lebensmittel hätte es bis Samstag jedoch nicht gegeben.

„Wenn Ägypten und Israel die Tunnel zerstören, werden wir neue graben und nicht länger ruhen, bis Ägypten und Israel die Blockade aufheben“, sagte der 39-jährige Tunnelbetreiber. Auch der Sprecher der im Gazastreifen herrschenden Hamas, Taher al-Nunu, forderte ein Ende der vor sechs Jahren von Israel unter Mithilfe Ägyptens aus Sicherheitsgründen verhängten Blockade.

Die Schmugglerarbeit ist sehr gefährlich. Seit 2006 sollen 232 Menschen bei dem Einsturz von Röhren ums Leben gekommen sein. Die Zahl der Tunnel, von denen es früher tausende gab, wird auf jetzt noch etwa 240 geschätzt – plus zahlreicher Schläuche für Treibstoff.

Israel und Ägypten haben eine anfangs nahezu vollständige Blockade des Gazastreifens nach und nach gelockert. Vertreter beider Länder sprechen unbestätigten Medienberichten zufolge über eine weitere Öffnung der Enklave. (dpa/dtj)