Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım hat am Dienstag mit einer merkwürdigen Äußerung für Spott und Verwunderung gesorgt.

Im Rahmen der wöchentlichen AKP-Fraktionssitzung erklärte er den Parteimitgliedern, wie gut es der Türkei doch mittlerweile gehe. Als Beweis dafür führte er unter anderem die Situation in den Krankenhäusern und dort insbesondere in den Notaufnahmestellen an.

“Letztens hat mir das jemand gesagt. An den (Bayram-)Festtagen sollen die Menschen in die Notaufnahmen gegangen sein. Jedoch nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern um Ausschau nach heiratsfähigen Mädchen zu halten. Unsere Krankenhäuser sind mittlerweile in einem so tollen Zustand, dass sich die Menschen dort auf die Suche nach Schwiegertöchtern und -söhnen machen. Dort werden Familien gegründet. Das ist der Punkt, an dem wir angekommen sind.”

Diese Worte kamen nicht überall gut an. Die Ankara-Vertreterin von SES (Gewerkschaft für Bedienstete in der Gesundheits- und Sozialdienstleistungsbranche), Rona Temelli, erklärte, die Realität in den Notaufnahmen entspreche nicht der „rosaroten Welt“, die der Premier gezeichnet habe. Dort herrsche oft ein Kampf um Leben und Tod, die Ärzte würden dort wirklich gute Arbeit leisten. Sie forderte Yıldırım auf, sich zu entschuldigen, seriöser aufzutreten und sich nicht von Beratern irreleiten zu lassen.

Der angeführte Vergleich schade dem Image der Krankenhäuser, deren Situation sich in den vergangenen Jahren auch dank vieler AKP-Reformen verbessert hat, enorm und ziehe es ins Lächerliche.