Türkei: Jesiden eröffnen Gäste- und Kulturhaus in Mardin

Die Tageszeitung „Taraf daily” berichtete am Sonntag, dass europäische Jesiden Spenden gesammelt hatten, um den Bau eines Gäste-und Kulturhauses in der Provinz Mardin in der südöstlichen Region der Türkei im Rahmen eines Angebots zu finanzieren, die Verbindung zu ihrem ursprünglichen Heimatland beizubehalten.

In der Türkei selbst leben nur 500 Jesiden, womit diese eigenständige, monotheistische Religionsgruppe verschwindend gering ist, allerdings haben sie viele Verwandte, die in Europa leben. Insgesamt rund 6000 Jesiden reisten ein, um beim Bau des Gebäudes in Mardin zu helfen, das den in der Türkei lebenden Jesiden die Möglichkeit geben soll, vor Ort zu bleiben und ihrem Glauben nachgehen zu können. Die Einrichtungen kosten ca. 1 Million türkische Lira, das sind rund € 400 000.

Das Gebäude soll am 14. August eröffnet werden. Die Eröffnungszeremonie wird dabei von den Gouverneuren von Mardin und Midyat, einem Bezirk in Mardin, veranstaltet werden. Es wird die erste jesidische Veranstaltung sein, an der Landesbehörden bzw. Staatsorgane teilnehmen.

Das zweistöckige Gäste-und Kulturhaus, „Güven” oder „Bacide” genannt, hat 12 Räume für Jesiden, die während ihres Besuchs in Mardin bleiben möchten. In der unteren Etage gibt es zwei große Hallen für den Gottesdienst oder für die Gebete, welche die Jesiden zum Sonnenauf- und -untergang verrichten. Der Bau dieses Gebäudes dauerte in etwa zwei Jahre. In den kommenden Jahren soll ein Dom am Haus angebaut werden, ähnlich wie jenem am Hauptgebäude der Jesiden in Lalish, das im Nordosten von Mosul, Irak, liegt.

Niemals erlaubt, eigene Kultur- und Gotteshäuser zu bauen

Der ehemalige „Die Linke”-Abgeordnete in Deutschland, Ali Atalan, auch ein Jeside, sagte der „Taraf daily”, dass die Jesiden, die 30 Jahre zuvor nach Europa ausgewandert waren, nun beginnen, ihre Dörfer wieder aufzubauen. „Nach jahrzehntelanger Migration in Europa wurde ein historisches Gäste-und Kulturhaus in einem völlig verlassenen Dorf gebaut. In der Geschichte war der jesidischen Gemeinschaft niemals erlaubt worden, eigene Kultur-und Gottesdiensthäuser zu bauen. Die bestehenden Kultur- und Gotteshäuser wurden entweder beschädigt oder zerstört. Deshalb ist dieses Haus unbezahlbar und ein wichtiges Symbol”, so Ali Atalan.

„Der jesidische Glaube ist in der Türkei nicht offiziell anerkannt. Der Abschnitt in dem Personalausweis über die Religion zeigt in diesem Fall eine „0”, ein „X” oder schlicht ein leeres Feld. Dies ist ein Beweis, dass die Bürger hinsichtlich ihrer Religion nicht gerecht behandelt werden. Ich hoffe, dass solche kränkenden Umgangsformen aufgehoben werden und dass der Staat sich gegenüber allen Religionen gleich verhält. Es ist ein wichtiger Schritt, dass der Gouverneur von Mardin bei der Eröffnung dabei sein wird. Wenn Frieden erreicht werden soll, ist dies nur durch eine permanente Demokratie möglich, die jeden unterstützt”, fügte Atalan hinzu. Vergangene Woche war zudem bekannt geworden, dass der türkische Staat seit Jahren ein Codierungssystem für religiöse Minderheiten aufrechterhält.

Der jesidische Glaube ist eine nicht missionierende, monotheistische religiöse Kleingruppe, deren religiöse Vorstellungen unter anderem vom Zoroastrismus, teils vom Sufismus inspiriert sind. Die Anhänger dieses Glaubens leben größtenteils im Nordirak, außerdem gibt es auch jesidische Gemeinden in Armenien, Aserbaidschan, der Türkei, Syrien und Teilen Europas. Man kann nur durch Geburt Mitglied der jesidischen Community werden.