FED-Präsident Ben Bernanke hatte im Mai ein Zurückfahren der monatlichen Geldflut der Federal Reserve auf „einer der nächsten Sitzungen“ in Aussicht gestellt, falls es zu einer durchgreifenden Besserung der Beschäftigungslage kommen sollte. Diese Ankündigung traf die Schwellenländer, darunter auch die Türkei, hart. Denn wenn die US-Zentralbank ihre lockere Geldpolitik straffe, sei ein Anstieg der Refinanzierungskosten für die Schwellenländer absehbar, erklärten Finanzexperten. Seit dem Mai steht deswegen der türkische Markt unter großem Druck.

Die türkische Zentralbank zögerte bisher, einen durch Zinserhöhungen befeuerten Wachstumsboom aufrecht zu erhalten und ging deswegen nicht mit aggressiven Methoden gegen den finanzpolitischen Druck vor. Dennoch forciert die regierende AKP unter Recep Tayyip Erdoğan, auch mit Hinblick auf die kommenden Wahlen, eine vehemente Wachstumspolitik.

Wachstumsschwäche ein allgemeines Problem der Weltwirtschaft

„Korrekturen nach unten sind in allen Ländern momentan an der Tagesordnung, weil die Haltung der FED und die Rezession Europas die globalen Märkte verunsichern“, erklärte der türkische Staatsminister für Wirtschaft, Ali Babacan, die Unsicherheit auf den Märkten. Zudem fügte er hinzu, dass das Exportziel der Türkei in Höhe von 158 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr noch erreichbar sei, doch es werde zunehmend schwerer. Nicht die Gezi-Park-Proteste, sondern die Volatilität der globalen Finanzmärkte seien für den jüngsten Ausverkauf türkischer Vermögenswerte verantwortlich, so Babacan.

Er teilte jedoch auch mit, dass Anleger seit dem 17. Mai etwa drei Milliarden US-Dollar vom türkischen Aktienmarkt zurückgezogen hätten. Nach zuletzt schwankenden Kursen zeigten sich die Börse und der Türkische Lira gegenüber dem US-Dollar diese Woche wieder gefestigt.