Türkei löst Großbritannien als drittgrößten Stromverbraucher Europas ab

Die zuständigen türkischen Behörden erteilten den privaten Energieunternehmen „Akfel”, „Bosphorus” und „Kibar” Importlizenzen für die westliche russische Gaspipeline für einen Zeitraum von 30 Jahren. Dem „Batı Hattı”-Erdgasunternehmen wurde eine Importlizenz für 23 Jahre ausgestellt.

Zuvor hatten sich die vier Energieunternehmen mit Gazprom darauf geeinigt, jährlich sechs Milliarden Kubikmeter Erdgas aus der „Western Line“-Pipeline zu beziehen. Die Pipeline verläuft durch die Ukraine, Rumänien und Bulgarien in die Türkei und hat eine Jahreskapazität von 14 Milliarden Kubikmetern.

„Dieser Deal ist sehr wichtig für Gazprom. Die Türkei war schon immer ein bemerkenswerter und verlässlicher Partner für uns“, sagte ein Verantwortlicher von Gazprom der Nachrichtenagentur Reuters.

Es hatte zuvor einen einjährigen Engpass zwischen Gazprom und türkischen Unternehmen gegeben, nachdem das staatliche Erdgasunternehmen Botas einen 2011 auslaufenden 25-Jahres-Vertrag auf Grund von Streitigkeiten über die Kosten nicht verlängert hatte. Während dieser Zeit basierten alle Geschäfte lediglich auf einer kurzfristigen Regelung, wurden aber fortgesetzt.

Die Türkei wird eine wichtige Rolle im Energiehandel und -transport einnehmen

Ein Großteil der Energie wird in der Türkei durch Erdgas erzeugt. Da die Türkei somit weitgehend abhängig ist von solchen Energieträgern, ist sie sehr bemüht, den Rohstoff von verschiedenen Erdgaslieferanten zu beziehen. Durch diese Diversifizierung soll eine Abhängigkeit von einem bestimmten Lieferanten abgewendet werden.

Es ist davon auszugehen, dass die Türkei Großbritannien als Europas drittgrößten Stromverbraucher innerhalb eines Jahrzehnts überholen wird und dass das Land am Bosporus sich zu einer Drehscheine für Energie und Rohstoffe und einem Handelsplatz für diese Güter entwickeln wird. Diese Entwicklung wird durch die schnell wachsende Bevölkerung und Wirtschaftsleistung der Türkei sowie durch ihre geografische Lage begünstigt. Die Türkei teilt Grenzen mit Energielieferanten wie Aserbaidschan, dem Iran und den kurdischen Autonomiegebieten Nordiraks und ist genauso wie Russland und die Ukraine Anrainerstaat am Schwarzen Meer.

Auch Gazprom strebt danach, sich von der Abhängigkeit zu seinem Hauptabnehmer, der EU, zu lösen. Bislang gingen bis zu 80 Prozent der Gasexporte des Unternehmens in die Europäische Union. Der jetzt abgeschlossene Deal zwischen Gazprom und der Türkei verdeutlicht, dass das Land künftig eine wichtige Rolle in der Zukunft des Energiemarktes spielen wird.