Das Armenische Patriarchat in Istanbul hat sich in einem Offenen Brief an den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan gewandt und seine „tiefe Trauer“ über die Armenien-Resolution des Bundestages bekundet.

In dem Brief, der persönlich an Erdoğan adressiert ist, heißt es: „Über die tragischen Ereignisse während des Ersten Weltkrieges hat das Parlament der Deutschen Republik einen Beschluss gefasst, der in unserer Nation eine tiefe Trauer verursacht hat. Wir tragen Ihrem Hohen Amt vor, dass wir als Armenische Gemeinde der Türkei aus tiefem Herzen und aufrichtig an dieser Trauer Anteil nehmen.“

Das armenische Patriarchat sieht den Bundestag für die Resolution, die am vergangenen Donnerstag verabschiedet wurde, nicht zuständig. Es sei nicht die Aufgabe eines Parlaments, über ein historisches Ereignis ein Urteil zu fällen: „Das Leid des armenischen Volkes wird auf der Plattform der internationalen Politik dafür instrumentalisiert, die türkische Nation zu beschuldigen und zu bestrafen.“

Der Brief ist von dem Erzbischof Aram Ateşyan unterzeichnet. Ateşyan ist der stellvertretende armenische Patriarch von Konstantinopel und amtierendes Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche. Da der Amtsinhaber Mesrob Mutafyan schwer erkrankt und kaum amtsfähig ist, übt er das Amt des Patriarchen aus.

Ateşyan unterstreicht, dass beide Völker – Türken und Armenier – in derselben Region leben und daher aufeinander angewiesen seien: „Diese beiden traditionsreichen und benachbarten Völker sollten nicht mit Hass- und Feindschaftdiskursen voneinander entfernt werden. Anstelle die Geschichte zu politisieren, sollte auf Freundschaft und Frieden hingearbeitet werden.“

Die armenisch-türkische Wochenzeitung Agos hingegen kritisiert die Haltung des Patriarchen und veröffentlichte ihrerseits einen Brief. Er ist an Ateşyan gerichtet: „Wir möchten erneut unserer Trauer und zusätzlich unserem Wut Ausdruck verleihen und beten zu Gott, dass er ihrer Hohen Persönlichkeit Vernunft, Ideenreichtum und Erkenntnis schenken möge. Sie schreiben, dass sie zu Gott beten würden, damit er den Repräsentanten des Staates, ‚die den Menschen unseres Landes nützliche Dienste erweisen, viel Erfolg‘. Und das in einer Zeit, in der fast bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen und jeden Tage Menschen sterben.“