Produktpiraterie ist auch in der Türkei ein Problem. Der Markt für gefälschte Produkte ist in dem Land gigantisch. 10,8 Milliarden Dollar geben die Türken jährlich für gefälschte Produkte aus. Das geht aus dem Bericht „Sahtecilik ve Korsanla Mücadele İçin İş Dünyası Hareketi“ hervor. Die Türkei ist damit hinter China weltweit die Nr. 2. Dem türkischen Fiskus entgehen dabei rund 10 Milliarden Dollar an Steuern.

Produktpiraterie: Härtere Strafen alleine ineffektiv

Experten gehen davon aus, dass mit härteren Strafen der Kampf gegen die Produktpiraterie kaum gewonnen werden kann. „In China gibt es die Todesstrafe und dennoch ist das Land in dem Bereich die Nr. 1. Mit Strafen kann man das nicht verhindern. Es wird gesagt, man soll nicht bei Rot über die Ampel, dennoch wird das gemacht“, sagt Prof. Dr. Mustafa Ruhan Erdem von der Yaşar Universität in Izmir. Das Problem habe etwas mit sozialen und wirtschaftlichen Situationen, mangelndem Unrechtsbewusstsein und Bildung zu tun. Der türkische Zoll hat alleine im letzten Jahr gefälschte Produkte im Wert von über 1,5 Milliarden TL sichergestellt.

„Das alles lässt sich nicht alleine durch Gesetze lösen“, so Erdem. Viele kaufen Produkte, die illegal sind. Das sei nach Meinung des Wissenschaftlers das eigentliche Problem. Das Problem sollte zudem nicht isoliert von anderen Straftaten gesehen werden. Als Beispiel führt Erdem die Verbindung von Drogenkriminalität und Prostitution an. Terrorismus, Diebstahl, Menschenschmuggel und Prostitution gingen ineinander über, vor allem in den Grenzregionen. Deswegen müssten Grenzen effektiver kontrolliert werden. Empfehlenswert sei daher, die Gesetze auszuweiten. Wer etwa durch gefälschte Produkte die Gesundheit gefährde, sollte auch deswegen zur Rechenschaft gezogen werden.

Einbußen für Fiskus und Wirtschaft

Produktpiraten schaden nicht nur dem Fiskus, sondern auch der Wirtschaft. Durch gefälschte Marken entstehen vielen Unternehmen große Schäden. Ähnlich sieht es auch bei gefälschten CDs und DVDs aus. Zwar sehen die türkischen hohe Geldstrafen und auch Haftstrafen in solchen Fällen vor, geahndet werden die Fälle allerdings nur, wenn diese angezeigt würden, sagt Emre Cumalıoğlu, ebenfalls Wissenschaftler an der Yaşar Universität. Um die Verfolgung effektiver zu gestalten, sollten Fälle der Produktpiraterie von Amts wegen geahndet werden. Das bedeutet, die Ermittler können dann von sich aus etwa gegen Markenfälscher vorgehen.