Türkei setzt Prozess wegen Angriffs auf Gazaflotte fort

Istanbul – Im Prozess um den israelischen Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte vor einem türkischen Gericht haben Augenzeugen am Donnerstag über Misshandlungen durch israelische Soldaten berichtet. Zudem habe das israelische Militär persönliche Gegenstände beschlagnahmt und nicht zurückgegeben, zitierten türkische Medien aus den Zeugenaussagen. Die Verhandlung wurde in Istanbul in Abwesenheit der angeklagten israelischen Ex-Offiziere fortgesetzt, die von der Türkei für den Einsatz verantwortlich gemacht werden.

Israelische Soldaten hatten die türkische Fähre „Mavi Marmara“ am 31. Mai 2010 von Kommandobooten und Hubschraubern aus erstürmt. Die Fähre sollte zusammen mit anderen Schiffen Israels Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen. Bei dem Einsatz wurden neun Türken getötet, von denen einer die US-Staatsbürgerschaft besaß.

Angeklagt sind der frühere israelische Generalstabschef Gabi Aschkenasi, der Ex-Chef des Militärgeheimdienstes, Amos Yadlin, der frühere Chef des Luftwaffen-Geheimdienstes, Avishay Levi, sowie Ex-Marinekommandeur Elieser Marom.

Israel hatte das Verfahren als „kafkaesken Schauprozess“ kritisiert. Es habe nichts mit Recht und Gerechtigkeit zu tun, sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums. Notwendig sei ein Dialog zwischen beiden Ländern und nicht ein „politisches Marionettentheater“. Zwischen der Türkei und Israel herrscht seit dem Angriff politische Eiszeit, auch wenn in letzter Zeit Politiker beider Länder eine Aussöhnung andeuteten. Türkische Aktivisten erklärten, der Prozess in Istanbul solle den Druck auf Israel erhöhen. (dpa/dtj)