Der Skandal um gefälschte Abgaswerte beim deutschen Automobilkonzern VW hat auch Auswirkungen auf die Türkei. Zwischenzeitlich sind die Aktien von Doğuş Otomotiv, dem türkischen VW-Partner, an der Börse in Istanbul um über 13 Prozent eingebrochen. Das Unternehmen ist für den Verkauf der Autos aus Wolfsburg in der Türkei verantwortlich. Analysten gehen davon aus, dass der Grund für den Einbruch Panik war. „Es gibt zwar Panikverkäufe, aber ich erwarte für Doğuş Otomotiv keine Auswirkungen“, sagte Emir Bölen von der Investmentgesellschaft Global Yatırım.

Unterdessen ist Doğuş Otomotiv um Schadensbegrenzung bemüht. Das Unternehmen sei im ständigen Austausch mit Volkswagen, ließ Aufsichtsratsvorsitzender Ali Bilaloğlu mitteilen. Das Unternehmen warte auf die Untersuchungsergebnisse von VW. Derzeit werden die Autos der Wolfsburger in der Türkei aber nicht aus dem Verkehr gezogen.

Für Volkswagen ist die Türkei ein wichtiger Markt. Nach Angaben des Automobilverbandes ODD (Otomotiv Distribütörleri Derneği) wurden zwischen Januar und August dieses Jahres 598.936 Autos verkauft. VW ist derzeit mit 93.005 verkauften Autos in den ersten acht Monaten türkischer Marktführer.

Emissionen spielen in der Türkei kaum eine Rolle

Dass es in der Türkei keine Konsequenzen für VW geben soll, wird inzwischen kritisiert. Emre Özpeynirci von der Zeitung Hürriyet bemängelt, dass Emissionen in der Türkei in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle spielen. „In der Türkei beachten weder die Regierung, noch die Unternehmen oder die Menschen, wie viel Abgase die Fahrzeuge in die Umwelt setzen.“ Der Grund dafür dürfte vor allem die Berechnungsgrundlage für die KFZ-Steuer sein. Während in Deutschland oder in der EU die Emissionswerte eine große Rolle spielen, sind sie in der Türkei eher bedeutungslos.

Weltweit sollen bei rund 11 Millionen Fahrzeugen Messdaten manipuliert worden sein, möglicherweise auch bei 2,1 Millionen Audi-Modellen. Auch der spanische Autobauer Seat soll mit 700.000 Fahrzeugen betroffen sein. Inzwischen wurde Konzern-Chef Martin Winterkorn von Matthias Müller ersetzt.

Dem deutschen Autobauer drohen weitreichende Konsequenzen in den USA und auch in Deutschland. VW könnte in den USA von der US-Umweltbehörde eine Strafe in Höhe von 18 Milliarden US-Dollar verhängt bekommen. In Deutschland hat sich die Staatsanwaltschaft wegen manipulierter Emissionsdaten eingeschaltet. Gegen Ex-Konzernchef Winterkorn wurden bereits Ermittlungen eingeleitet. Dabei dürfte es allerdings nicht bleiben – viel wahrscheinlicher ist es, dass sich auch weitere Verantwortliche von VW vor der Justiz verantworten müssen.

Derweil wurde auch in der Türkei eine erste Klage gegen den deutschen Automobilhändler eingereicht. Wie Hürriyet berichtet, geht es dabei allerdings vorerst nur darum, zu verstehen, wie viele Emissionen in der Türkei verursacht und wie viele Fahrzeuge mit der Betrugssoftware ausgestattet wurden.