Türkei will Gastarbeiter ins Land holen

Der Chef der Union ägäischer Bergbau- Exporteure (EMİB), Arslan Erdinç (Foto), sagte der türkischen Zeitung „Today’s Zaman“, dass die Türkei ihr eigenes „Gastarbeiterprogramm“ ins Leben rufen sollte, um ausländische Arbeiter für den Bergbau anzuwerben. Erdinç hatte in den vergangen Tagen bereits für die Vergabe von Visa an ausländische Arbeitskräfte auf „saisonaler Ebene“ geworben.

Der Bergbausektor in der Türkei wirft momentan massive Gewinne ab und allein die Exporte im Bereich der „Nichtedelmetalle“ sind 2012 um zwölf Prozent, also um 4,18 Milliarden Dollar, gestiegen. Auf Grund eines Rekordtiefs der Arbeiterzahlen können die Bergwerke und Steinbrüche in der Ägäisregion der Türkei jedoch nur etwa die Hälfte ihrer Kapazitäten ausschöpfen. „Das sind Arbeiten, die Türken nicht mehr bereit sind, auszuführen“, sagte Erdinç.

Widrige Arbeitsbedingungen und nachteilige Verträge für Arbeiter in der Türkei

Als Ursache für die das geringe Interesse vieler Türken an der oft schlecht bezahlten und harten Arbeit in den Bergwerken sieht der Chef der EMİB den türkischen „Wohlfahrtsstaat”. Durch die von der Regierung zugesicherte Unterstützung für Arbeitslose würden viele Türken es ablehnen, Jobs mit Mindestlohnbezahlung anzunehemen. „Es gibt eine Arbeitslosenversicherung und kostenlose Gesundheitsversorgung, so dass die Menschen faul werden und nicht mehr angewiesen sind auf diese Arbeit“, sagte Erdinç.

Bei Betrachtung der momentanen Lage schlage er deshalb vor, diese Jobs an ausländische Arbeiter zu vergeben. „Den in Flüchtlingscamps lebenden Syrern könnte (beispielsweise) Arbeit gegeben werden. Die sind hier zum Nichtstun verdammt“ so Erdinç.

Der Aufruf an die türkische Regierung nach Gastarbeitern erinnert stark an den in den 1960 Jahren zwischen Deutschland und der Türkei unterzeichneten „Gastarbeitervertrag“, auf Grundlage dessen Hunderttausende von Türken nach Deutschland kamen, um dort zu arbeiten.

Einfache Bergbau, Bau- und Fabrikarbeiter haben in der Türkei häufig mit Problemen wie verspäteten Gehaltsauszahlungen, Beschäftigung mit Mindestlohnbezahlung, fehlender gesundheitlicher Absicherung, geringer Abfindung und sogar mangelnder Sicherheit am Arbeitsplatz zu kämpfen. Doch regt sich in der türkischen Bevölkerung immer mehr Unmut über die widrigen Arbeitsbedingungen einfacher Arbeiter.

Wachsender Unmut über „taşeron“-Verträge – ausländische Gastarbeiter müssen her

Am letzten Wochenende versammelten sich beispielsweise in der Bergbaustadt Zonguldak am Schwarzen Meer ca. 15.000 Arbeiter und deren Familienangehörige, um ein Ende der sog. „taşeron“-Beschäftigung, also die Anstellung bei Subunternehmen, zu fordern. Die „taşeron“-Verträge sind zum häufigsten Anstellungsverhältnis von ungelernten Arbeitern in der Türkei geworden und bergen viele Nachteile, wie etwa schlechtere Bezahlung und das Fehlen eines Kündigungsschutzes.

Anfang Januar starben acht Zeitarbeiter in einer staatlich geführten Mine in der Bergbaustadt Zorlu, woraufhin breite öffentliche Kritik an den weitverbreiteten „taşeron“-Verträgen aufkam. Unerfahrene Arbeiter wurden in Zorlu in einer gefährlichen Arbeitsumgebungen eingesetzt, ohne vorher ein ausreichendes Sicherheitstraining absolviert zu haben.

„Sie (die Bergbauunternehmen) können keine billige „taşeron“-Vertragsarbeiter mehr beschäftigen, sodass sie jetzt nach anderen Möglichkeiten suchen, die Arbeitskosten niedrig zu halten“, sagte der Leiter der Interessenvertretung der „taşeron“-Arbeiter TAŞ-İŞ-DER (Union der ausgelagerten türkischen Arbeiter) Cemal Bilgin.