Die türkische Wirtschaft ist im dritten Quartal auf Jahresbasis um nur 1,7 Prozent gewachsen. Das teilte das Statistikinstitut der Türkei (Türkiye Istatistik Kurum) am Mittwoch mit. Damit blieb das Wachstum hinter den Erwartungen von etwa drei Prozent zurück. Im ersten Quartal betrug das Wirtschaftswachstum 4,8 Prozent, im zweiten nur noch 2,2 Prozent. Als Grund für die abgeschwächte Konjunktur sieht Zentralbankchef Erdem Başçı den Einbruch in der Landwirtschaft.

Wirtschaftswachstum in der Türkei höher als in meisten EU-Staaten

In den ersten neun Monaten wuchs die türkische Wirtschaft trotz Schwierigkeiten um ganze 2,8 Prozent. Für das Gesamtjahr erwarten Experten immer noch ein Wachstum von etwa drei Prozent, nach 4,1 Prozent im vergangenen Jahr.  In Deutschland ist die Wirtschaft dagegen im dritten Quartal um nur 0,1 Prozent gewachsen. Der EU-Durchschnitt lag bei 0,3 Prozent. Nur Rumäniens Wirtschaft wuchs mit 1,8 Prozent mehr als die Türkei. Dennoch sollte man nicht beim Vergleich vergessen, dass die Wirtschaftskraft Deutschland wesentlich stärker ist als die der Türkei.

Russisches Gas soll über Türkei in die EU

Das Aus für das South-Stream-Projekt kommt der Türkei zu Gute. Russlands Präsident Putin will die Pipelinerohre unter dem Schwarzen Meer nicht mehr bis nach Bulgarien verlegen, sondern in die Türkei. Von dort kann das Erdgas weiterhin unter Umgehung der Ukraine in die EU. Die Türkei wird damit zu einem der wichtigsten Umschlagplätze für Energie. Zudem hat Ankara auch ein Druckmittel, was das Land bei den Beitrittsverhandlungen mit Brüssel einsetzen kann.

Die Annäherung zwischen Griechenland und der Türkei kann man auch als einer der Folgen der engeren türkisch-russischen Energiezusammenarbeit bewerten. Griechenland soll ja auch in Zukunft sein Gas über die Türkei erhalten. Da verwundert es kaum, dass Regierungschef Antonis Samaras beim Treffen mit seinem Amtskollegen Davutoğlu vergangene Woche über „riesige Vorteile“ bei Ankaras EU-Mitgliedschaft sprach.