Nach monatelanger Kritik an der türkischen Zentralbank TCMB (Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankası) durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat es gestern ein Treffen zwischen dem Staatschef und dem obersten Währungshüter Erdem Başçı gegeben. Bei dem Treffen war auch der stellvertretende Ministerpräsident Ali Babacan anwesend.

Dollar erreicht im März Rekordhoch

Başçı erklärte dabei dem türkischen Staatspräsidenten die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Zinspolitik der Zentralbank. Obwohl Erdoğan in der Vergangenheit immer wieder öffentlich Druck auf die Währungshüter übte, damit die Zinsen radikal gesenkt werden, warnte bei dem gestrigen Spitzengespräch Başçı vor einem solchen Schritt. Sollten die Zinsen weiter gesenkt werden, würde das die Türkische Lira (TL) noch weiter unter Druck setzen.

Am 6. März hatte der Dollar mit 2,6461 TL einen historischen Höchststand erreicht. Anfang 2013 mussten die Türken noch für einen US-Dollar 1,80 TL zahlen. Başçı machte bei seiner Präsentation klar, dass Zinsen nur unter bestimmten Voraussetzungen gesenkt werden könnten. Dazu zählten „Stabilität, Vertrauen schaffende Maßnahmen und eine an die Preisstabilität gebundene Geldpolitik“, machte der oberste Währungshüter Erdoğan gegenüber klar.

Treffen mit Başçı nur ein „Briefing“

Derweil versucht Wirtschaftsminister Nihat Zeybekçi das Vertrauen in die Zentralbank wieder zu stärken. Die Zentralbank sei „eine vollkommen unabhängige Institution“, sagte das Regierungsmitglied bei einem Treffen mit dem Wirtschaftsverband Tümsiad. Zeybekçi machte auch klar, dass der Chef der Zentralbank dem Staatspräsidenten „nur ein Briefing“ gegeben habe. Ähnliche Briefings gebe es auch mit den Ministern.

In den vergangenen Wochen hatten die Spannungen zwischen dem Präsidentenpalast und der Zentralbank zugenommen. „Das Vaterland kann man mit hohen Zinsen verkaufen“, hatte Erdoğan bei einer Rede im Februar in Richtung der Währungshüter gesagt. Experten hatten den Staatschef kritisiert, dass solche Aussagen zum Vertrauensverlust bei Investoren führe und die TL weiter an Wert verliere.

Inzwischen ist man sich einig, dass der oberste Währungshüter und der Staatspräsident nicht ungeplant zusammengekommen sind. Başçı soll schon vor einem Monat um ein Gespräch auf höchster Ebene gebeten haben. Zwar hatte das gestrige Treffen den Abwärtstrend der türkischen Währung zunächst gestoppt, doch von einem Gegentrend kann derzeit kaum gesprochen werden. Zudem ist unklar, ob Erdoğan in Zukunft sich mit Äußerungen gegenüber der Bank zurückhalten und dadurch Vertrauen vor allem bei ausländischen Investoren schaffen wird.