Türkische Pflegemutter rührt Russland zu Tränen

In einer Fernsehsendung des russischen Senders „Kanal 1“ kommt Andrey Malahov, ein in Russland bekannter Journalist, auf eine Reportage zu sprechen, die im türkischen Alanya gedreht wurde. Darin stellen russische Reporter Gülsüm Kabadayı vor, die seit vier Jahren die Pflegemutter eines russischen Staatsbürgers ist, wie kürzlich bekannt wurde. Dieser sei seit einem länger zurückliegenden tragischen Verkehrsunfall gelähmt. In der Sendung werden Szenen aus dem Alltag von Kabadayı gezeigt, wie sie den russischen Jungen pflegt. Während der Ausstrahlung spricht der Journalist immer wieder mit Hochachtung von der hingebungsvollen türkischen Frau, die mit mütterlicher Fürsorge und liebevoller Art alle Zuschauer zu Tränen rührt.

Der „neue Sohn“ wird von der Pflegemutter „Umut“ (türkisch: Hoffnung) genannt. Die Berichterstatter vor Ort sprachen ihn auf Russisch an, woraufhin der mittlerweile junge Mann mit Zeichen antworten konnte, so dass sich die Vermutung, dass es sich bei dem Patienten um einen russischen Staatsbürger handelt, als höchstwahrscheinlich richtig erwies. Mit Hilfe dieses Films soll „Umut“ nun nach Jahren geholfen werden, seine eigene Familie und die leiblichen Eltern wieder zu finden.

Die Begegnung mit Umut war Schicksal

Im Anschluss an die Filmauschnitte betritt Gülsüm Kabadayı das Fernsehstudio in Moskau. Das gesamte Publikum empfängt sie stehend, der Applaus stummt minutenlang nicht ab. Während verschiedene Sequenzen der Reportage eingespielt werden, übergibt Malahov der Pflegemutter das Wort. Als sie das erste Mal in die Augen des jungen Mannes gesehen habe, habe sie gespürt, wie er sagen würde: „Mutter, komm näher zu mir“. Die Begegnung sei Schicksal gewesen.

Sie selbst hatte damals bereits drei Söhne und war eigentlich nur im Krankenhaus, um einen Verwandten zu besuchen. Sie könne diesen Augenblick nicht vergessen. Sofort habe sie sich als Pflegemutter angeboten und die Erlaubnis des Krankenhauses bekommen, den Mann zu Hause pflegen zu dürfen.

In der Reportage wird auch das tägliche Pflegeprogramm dokumentiert. Offensichtlich hat Umut eine Schluckstörung, aber Kabadayı hat an alles gedacht. Die Pflegemutter überreicht dem gelähmten Jungen eine dicke Spritze, gefüllt mit frischgepresstem Orangensaft. „Jeden Tag bekommt er das von mir, schließlich braucht er viel Vitamin C, damit er nicht krank wird. Das wichtigste ist jedoch Liebe“, fügt sie hinzu. Zu sehen ist, wie sie dem jungen Mann die Beine massiert, ihn wickelt, mit der Flasche ernährt, gleichzeitig mit ihm spricht und mit Wangenküssen ein Lächeln abgewinnen kann. Die Zuschauer lassen bei diesen Bildern ihren Gefühlen freien Lauf, viele können ihre Tränen nicht zurückhalten.

Das Publikum bricht in Tränen aus

Der Moderator lobt fasziniert: „Durch ihren menschlichen Einsatz und ihre Knochenarbeit haben sie etwas erreicht, was viele Politiker und Diplomaten bisher nicht geschafft haben: Die Freundschaft zwischen der Türkei und Russland zu beweisen! Woher haben sie die Kraft genommen, vier Jahre lang einen russischen Mann wie die leibliche Mutter zu pflegen?“ Daraufhin antwortet Kabadayı mit Tränen in den Augen: „Von Gott, der Regierung, den Ärzten und den türkischen Müttern. Ich habe der Regierung vertraut, die mir auch geholfen hat. Ich habe Gott um Hilfe gebeten und ich bekam sie. Ich hatte Besitz und Eigentum verloren. Gott hat mir „Umut“ gegeben. Das ist eine Botschaft. Wir haben unseren Reichtum verloren und stattdessen „Umut“ bekommen. Ich danke Gott, ich bin sehr glücklich“.

Das Publikum und die Gäste im Sendesaal versuchen die passenden Worte zu finden, um ihre Gefühle und den Respekt gegenüber Kabadayı zum Ausdruck zu bringen. Das Vorbild an nachahmenswerter Menschlichkeit und Liebe füllt die Herzen und Reihen des Sendesaals. Die Moderatorin Yelena Hanga geht sogar soweit, die Türkin heilig zu sprechen. Der Parlamentsabgeordnete Roman Hodzakov bedankt sich vielmals für die Fürsorge und Pflege der Mutter mit einem rührenden Handkuss.

Malahov gibt Kabadayı zum Schluss Gelegenheit für einen Aufruf an die leiblichen Eltern. Die Pflegemutter appelliert mit weinerlicher Stimme: „Das Paradies liegt den Müttern zu Füßen. Ich fühle mich, als ob ich Umut als zweite Mutter auf die Welt gebracht hätte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch ohne ihn leben oder ihn gar weggeben könnte. Er ist mein Sohn. Jahrelang habe ich ihn mit viel Mühe gepflegt. Mutter sein bedeutet nicht nur, das Kind auf die Welt zu bringen. Ich bin mir aber sicher, dass Umut die Brücke zwischen den beiden Ländern sein wird. Die leibliche Mutter weint sicherlich auch und möchte ihr Kind wieder in die Arme schließen. Umut wird dann unser gemeinsames Kind sein.“