Türkische Stars hinter der Kamera

Es ist der Traum jedes Schauspielers, einmal im Leben eine Rolle in einem Hollywood-Film zu bekommen. Aber mindestens genauso wichtig wie die der Schauspieler ist die Rolle der Produzenten und der Leute, die hinter der Kamera stehen. Sie zeichnen sich durch jenes technische Know-How, jene Kreativität und jenes Wissen aus, die ebenso unabdingbar für den Erfolg eines Films sind wie die Darbietungen der Stars selbst.

Die Macher hinter den Kulissen nehmen vielfältige Positionen ein. Und im Bereich der Werbung, der Technik, der Musik, der Grafik, der Designs und der Effekte tragen auch viele türkische Produzenten dazu bei, dass Hollywood-Filme zum unvergesslichen Kinoevent werden. Einige Beispiele für Filmprojekte, die sie professionell begleitet haben, sind etwa „Avatar – Der Herr der Elemente“, “ Ice Age“, „Superman kehrt zurück“, „König der Löwen“, „Gladiator“, „Harry Potter“, „Fluch der Karibik“, „Hugo“ und viele mehr.

Die Erfolgsgeschichten – Türkische Effekte auf Hollywood

Kein Kino-Highlight ohne Spezialeffekte: Serkan Zelzele ebnet den Weg zu seinem Erfolg in den Hollywood-Studios mittels seiner Computer-Spezialeffekte. Filme wie „Fluch der Karibik“ oder „Superman kehrt zurück“ tragen auch seine Handschrift. Er ist Manager und Berater in diesem Bereich und arbeitet gerade an einem 30-minütigen Animationsfilm mit den Namen „Saava“, der mit der Stimme von Milla Jovovich synchronisiert wird. Dokumentarverfilmungen für den amerikanischen „History Channel“ und den Kanal „Syfy“ werden von ihm mit visuellen Effekten ausgestattet und bearbeitet. Auch in der Türkei selbst ist Zelzele sehr aktiv. Er ist Produktionsleiter des Animationsfilms „Evliya Çelebi“ sowie bei Filmprojekten von Samanyolu TV und TRT involviert.

Als Grundlagen für seine erfolgreichen Projekte benennt Zelzele die Notwendigkeit von Disziplin, eine sehr gute technische Ausstattung und ebenso gute kinematografische Kenntnisse. „Kreativität und Produktqualität sind sehr wichtig“, betont Zelzele. „Für die Türkei planen wir ein Büro in Istanbul. Gerne möchten wir uns in Hollywood langfristig etablieren. Durch unseren Erfolg mit den visuellen Effekten im Film „Fetih 1453“ haben wir jegliche regionale Messlatte durchbrochen. Hoffentlich können wir mithilfe türkischer Nachwuchstalente unser Ziel erreichen, Istanbul perspektivisch zu einem Zentrum für Animationsfilme auszubauen.“

Oscar für „Beste Visuelle Effekte“

Metin Güngor wiederum hat schon mehr als 50 Filmproduktionen in Hollywood mit seinen digitalen und visuellen Effekten schmücken können. Einige hiervon sind „Harry Potter“, „Cinderella Man“, „Da Vinci Code“, „Conan der Barbar“, „Gladiator“, „The Expendables 2“ und dank „Hugo“, der den Oscar für „Beste Visuelle Effekte“ bekam, wurde Güngör mit noch mehr Aufträgen für Filmprojekte überflutet.

Im Zusammenhang mit „Spiderman 4“ wurde Coşku Turhan für seine herausragenden Leistungen als Produzent für „Beste Visuelle Effekte” für den Oscar nominiert. Coşkun Özdemir erlangte weltweiten Ruhm für seine visuellen Effekten bei „Avatar- Herr der Elemente“. Zuvor hatte er schon an Projekten wie „Ice Age“, „Horton hört ein Hu“, „Fluch der Karibik 3“, „Madagaskar 2“, „Monsters vs. Aliens“ sowie „Ironman 2“ und „Transformers 2“ mitgewirkt.

Film und Musik

Auch mehrere türkische Musikproduzenten haben ihr Talent bereits in Hollywood unter Beweis stellen können. Einer, der seit Jahren großartige Erfolge erzielen konnte, ist dabei Rahman Altın. Für die HBO-Produktionen von „The Special Relationship“ oder die Serie „The Pacific“ komponierte Altın die Musik für die TV-Werbung, für die offizielle Filmvorstellung sowie Trailer-Musik. Außerdem hat er für Dream Works die Musik für das Spiel „Monster vs. Aliens” auf PS3, Xbox, Wii und PC produziert. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch Hasan Özsüt, der bei der Musikproduktion zu „Prometheus“ von Ridley Scott beteiligt war und momentan an jener zu „The Beautiful Game“ arbeitet. Gleichzeitig komponiert er die Filmmusik für „Zombex“. Die Musik für den Vorstellungsfilm der erneuten Produktion von „20.000 Meilen unter dem Meer“ stammt ebenfalls aus seiner Feder.

Plakate-Werbung-Design

Emrah Yücel wiederum lebt seit 18 Jahren in den USA und hat vor ca. 13 Jahren das Unternehmen „Iconisus” gegründet. Obwohl es sehr viele US-Bürger türkischstämmiger Herkunft gibt, besteht seine Belegschaft größtenteils aus chinesischen und koreanischen Mitarbeitern. Yücel erzählt, dass ihm seine Freunde regelmäßig mitteilen würden, wenn sich türkische Bewerber bei ihnen vorstellen. Selbstverständlich freut er sich stets darüber, doch besteht er darauf, zu erwähnen, dass eine nationalistische Sichtweise in diesem Metier sehr kontraproduktiv wäre. Generell hätten Chinesen, Koreaner und Engländer keine nationalistischen Ansichten. Jeder Mensch, der seine Leistung erbringt, könne überall Arbeit finden.

Erst kürzlich hat Emrah Yücel die Plakataktionen für „Dead Man Down“ mit Colin Farrell und „Olympus Has Fallen“ mit Gerard Butler und Morgan Freeman in den Hauptrollen fertig gestellt. Im Bereich der Fernsehproduktionen bearbeitet er gerade neue Projekte wie die Serie „Newsroom“ von HBO oder die „Russell Brand“ -Show auf Fox, gleichzeitig auch für den Serienstart von „The Bridge“ für den Kanal FX vor.

Yücel teilt die Arbeit in Hollywood in zwei Kategorien ein, jene vor und jene hinter der Kamera. Er sagt, dass Türken hinter der Kamera viel stärker wären und meint, dass dies auch eine viel wertvollere Position sei. „Entgegen jeglichen Behauptungen ist die Arbeit hinter der Kamera produktiv und ideenreich. Wenn das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt, ist es sehr einfach, einen akzeptablen Platz in der Branche einzunehmen.”

Lob und Kritik an türkischer Filmbranche

Emrah Yücel lobt die Studiengänge für Visualisierung und Kommunikation an den türkischen Universitäten und sieht einen Vorteil für die sehr praktisch, schlagfertig und flexibel veranlagten Türken mit Blick auf den eher konservativen amerikanischen Arbeitsmarkt.

Als große Enttäuschung der türkischen Filmbranche bezeichnet Yücel jene türkischen Schauspieler, die bei jedem USA-Aufenthalt den Medien mitteilen, sie wären einer Einladung nach Hollywood gefolgt. Im Nachhinein würde eine solche aber nie bestätigt. „Durch solche Schlagzeilen erhoffen sie sich einen Sprung auf der Karriereleiter, aber betrügen damit doch nur ihr Publikum.“