Türkische Unternehmen bauen Libyen wieder auf

Die Menschen in Libyen haben nach dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi schnelle wirtschaftliche Fortschritte erwartet – nicht zuletzt wegen der reichen Ölvorkommen. Der Wüstenstaat am Südrand des Mittelmeeres hält nach der Opec-Statistik vier Prozent der weltweit bekannten Erdölreserven. 2011 lagen sie bei 48 Milliarden Barrel (je 159 Liter). Libyen ist damit das sechstgrößte Erdölland der Welt und das größte in Afrika.

Im jüngsten Monatsbericht vom Juli 2012 gibt die Opec für das Bürgerkriegsjahr 2011 die libysche Ölproduktion mit 462.000 Barrel pro Tag an. Das waren zwei Drittel weniger als 2010 (1,5 Millionen Barrel). Im zweiten Quartal 2012 arbeitete die libysche Erdölproduktion aber wieder auf Vorkrisenniveau.

Das Land bestreitet mit Erdöl und Erdgas fast seine gesamten Ausfuhren (2011: 97,4 Prozent). Weitere Bodenschätze wie Schwefel oder Salz spielen kaum eine Rolle. Während nach Angaben der Außenwirtschaftsgesellschaft GTAI die Exporte 2010 fast 47 Milliarden US-Dollar (damals rund 34,5 Milliarden Euro) in die libyschen Kassen spülten, gingen die Ausfuhren im Folgejahr um mehr als 70 Prozent auf 13 Milliarden US-Dollar zurück. 2012 stiegen sie aber wieder auf 64,5 Milliarden US-Dollar. Ein Großteil des Öls ging 2011 nach Europa.

Nahostexperten betonen oft, dass Rohstoffe ein nicht zu unterschätzender politischer Faktor in der Region ist und Gas und Öl über die politische Zukunft des „Arabischen Frühlings“ entscheiden könnten.

Türkische Unternehmen kehren nach Libyen zurück

Nach Schätzungen des IWF stand das Ölland 2012 mit einem Pro-Kopf-Einkommen von knapp 13.000 US-Dollar an der zweiten Stelle aller afrikanischen Länder. Nachdem 2011 die Wirtschaft geschätzt um 59,7 Prozent einbrach, stieg das Bruttoinlandsprodukt laut GTAI im darauf folgenden Jahr um fast 122 Prozent. Für 2013 wird ein Wirtschaftswachstum von knapp 17 Prozent erwartet.

Die Türkei, die von einigen libyschen, ägyptischen und tunesischen Parteien als politisches Vorbild genannt wird, ist auch wirtschaftlich stark in der Region vertreten.

Schon vor der Revolution beschäftigten rund 200 türkische Bauunternehmen in Libyen ca. 25 000 türkische Arbeiter und waren an Projekten im Wert von 15 Milliarden Dollar beteiligt. Während den Anfängen des libyschen Aufstandes mussten die türkischen Unternehmen samt ihrer ausländischen Beschäftigten auf Grund der unübersichtlichen Sicherheitslage das Land verlassen.

Die türkische Firmen sind in Libyen jedoch seit längerem wieder aktiv und beteiligen sich dort beispielsweise an Infrastrukturprojekten. Libyen ist auch als Absatzmarkt für türkische Produkte interessant. Brach der Export in den wirren Zeiten des bewaffneten Umsturzes in Libyen 2011 ein, so wurden vom Januar bis Oktober 2012 wieder türkische Waren im Wert von 1.695,5 Mio US-Dollar in das arabische Land am Mittwelmeer exportiert – Tendenz steigend. (dpa/dtj)