Türkische Waffenschmiede setzen auf dem Weltmarkt neue Akzente

Sarsılmaz Firearms Industries, der führende Hersteller von Handfeuerwaffen in der Türkei, stellte am Montag sein erstes vollwertiges und konkurrenzfähiges Infanteriegewehr vor. Geschäftsführer Latif Aral Aliş räumte dabei auf der Konferenz ein, dass die Waffensysteme mitunter stark vom Staat subventioniert und in enger Zusammenarbeit mit Beratern aus dem akademischen Umfeld vorangetrieben würden. Besonders vonseiten des „Wissenschaftlichen und technologischen Forschungsrats der Türkei“ (TÜBİTAK), der Kocaeli-Universität und der Universität des Nahen Ostens (ÖDTU) wäre reichlich Unterstützung gekommen. „Wir begannen mit der Entwicklung des Gewehrs 2009. Den ersten Prototypen bauten wir dann 2011. Nun erhielten wir im Januar die nötige Lizenz und werden ab jetzt mit der serienmäßigen Produktion anfangen“, fasst Aliş den langen Weg seiner Waffensysteme zusammen.

Attraktives Preis-/Leistungsverhältnis

Das neue Sarsılmaz-Gewehr erhielt fünf weltweit anerkannte Patente. Es wurde von der NATO genehmigt und gilt damit als bewährtes Einsatzmittel. Aliş zeigt sich überzeugt vom Erfolg des Produkts und sagt: „Die Welt verändert sich schnell im Bereich der Rüstungsindustrie. Unser Gewehr gehört derzeit zu den modernsten und besten Waffen auf dem Markt. Mit diesem Produkt avancieren wir zu einem harten Konkurrenten auf dem internationalem Markt, denn unser Preis-/ Leistungsverhältnis bei gleichzeitiger Integration neuester Technologie, die wir anbieten, ist schwer zu übertreffen.“

Das türkische Traditionsunternehmen, welches seit 1880 existiert, versorgt nicht nur die türkische Armee mit Rüstungsgütern, sondern beliefert auch Militärs in über 66 verschiedenen Ländern. Sarsılmaz Firearms Industries gehört zu den größten Waffenproduzenten im Nahen Osten. Das Unternehmen hatte bereits 14 Millionen Lira in das moderne Gewehr investiert und beabsichtigt in Kürze weitere 27 Millionen Lira in eine Erweiterung der eigenen Produktionskapazitäten zu investieren. Bisher liegt die jährliche Produktionsrate bei 24.000 Schusswaffen. Im ersten Jahr möchte Sarsılmaz Firearms mit seinem neuen Gewehr ein Exportvolumen von 30 Millionen Dollar erreichen. Im nächsten Jahr soll diesbezüglich bereits ein Niveau von 50 Millionen Dollar erreicht werden.

Militärische Unabhängigkeit als türkische Staatsräson

Die positive Entwicklung der Türkei auf dem internationalen Waffenmarkt gab auch Sarsılmaz Firearms Industries in den letzten Jahren einen entscheidenden Aufschub. Das liegt nicht nur am allgemeinen Wirtschaftsboom des Landes, sondern vor allem auch am Staat. Die Türkei möchte von ausländischen Rüstungsimporten zunehmend unabhängig werden. Zudem liegen auch handfeste machtpolitische Interessen in der Region der aktuellen Förderungsoffensive zu Grunde.

Der forcierte Ausbau der heimischen Rüstungsindustrie wäre auch für die Wirtschaft gut, denn gehobene Militärtechnologie schafft begehrte Exportgüter. Das chronisch hohe Handelsbilanzdefizit des Landes könnte so in Zukunft ausgeglichen werden. Damit gehen auch eine militärisch-politische Stärkung des Landes und parallel dazu auch eine wirtschaftliche einher. Im Grunde genommen führt es genau das herbei, was sich die Führung des Landes für ihre junge Nation auch wünscht.

Eine starke heimische Verteidigungsindustrie sichert der Türkei im fragilen Nahen Osten eine starke und machtvolle Position. Deswegen unterstützt der Staat seine Rüstungsbauer auch massiv und setzt im Bereich der Rüstungsindustrie immer wieder neue Anreize, um neue Technologien weiter zu entwickeln.

Rüstungsboom als Mittel gegen Handelsbilanzdefizit

Sarsılmaz Firearms besitzt laut eigenen Angaben die größte europäische Produktionsstätte für Schusswaffen. Weitere Entwicklungen sind bereits fest geplant. In Zukunft sollen auch Scharfschützengewehre und Maschinengewehre vom Band laufen. Sarsılmaz Firearms Industries und die Türkei reihen sich auf diese Weise immer stärker auf die vorderen Ränge der großen Waffenschmiede der Welt ein.

„Mit einem erfolgreichen Einstieg in den Markt können wir viel dazulernen. Wir können dadurch dazu beitragen, dass unser Land technologisch und wirtschaftlich vorankommt. Vor allem haben wir so die Chance, intensiver an unseren Produkten zu arbeiten. In erster Linie wird natürlich das türkische Militär von uns und unserem Erfolg profitieren“, erklärt Aliş die Chancen, die sich dem Land bieten.

Nach Angaben der Vereinigung türkischer Exporteure (TIM) wuchs die Verteidigungsindustrie des Landes im Vorjahresvergleich um 12,6 Prozent. Im Monat April dieses Jahres soll das gesamte Exportvolumen bei 114,2 Millionen Dollar gelegen haben. Dank der schnellen Expansion der Verteidigungsindustrie kann es gut möglich sein, dass die angepeilte Exportrate von 2 Milliarden Dollar bis 2016 sogar überschritten werde, gab das Sekretariat für Verteidigungsindustrie (SSM) bekannt.

Vergangenes Jahr belegte die Türkei Platz 24 unter den größten Waffenexporteuren der Welt. Ziel ist es, bis 2023 unter den Top 10 der Welt zu stehen. In diesem Zusammenhang gehören Aserbaidschan, Saudi-Arabien und Bahrain heute zu den größten Exportmärkten des Landes.