Türkischer Rüstungsindustrie droht in Ägypten ein Millionenverlust

Ende 2011 begannen türkische Rüstungsexporteure, den ägyptischen Markt zu durchdringen. Die Ägypter nahmen die orientalische Waffenhilfe mit offenen Armen auf. Die Türken hofften dabei auf langfristige vertragliche Vereinbarungen über militärische Verbindungen und auf Abkommen, die – gepaart mit exzellenten politischen Beziehungen – den Nahen Osten stabilisieren sollten. Nun steht nach dem politischen Aus Mursis auch die militärische Kooperation mit der Türkei vor einem jähen Ende.

Ägyptische Offizielle konnten die Ängste der türkischen Exporteure bislang auch nicht mildern. Sie gaben zu, dass mit dem Sturz Mursis eine neue Periode politischer Unsicherheit am Nil anbrechen würde. Das wird unweigerlich auch zu Verwerfungen bei potenziellen Rüstungs-Deals mit der Türkei führen. Gute politische Beziehungen mit Ägypten und Mursi waren das Schmiermittel für millionenschwere Rüstungsdeals mit der Türkei. Das tragende Fundament ist weggebrochen.

Das Vorstandsmitglied eines türkischen Luftfahrtkonzerns äußerte sich zu den dramatischen Entwicklungen in Ägypten wie folgt: „Das Land war ein Paradies für den Export türkischer Waffensysteme. Jetzt ist es schwierig für uns, darüber Urteile zu fällen, inwieweit das ägyptische Interesse an der türkischen Verteidigungsindustrie bloß politisch motiviert war. Wir hoffen, dass künftige politische Beziehungen nicht in Spannungen mit der neuen ägyptischen Regierung münden.“ Von türkischer Seite wünscht man sich, dass Verhandlungen wie bisher fortgesetzt werden. Die Realität zeichnet allerdings ein anderes Bild.

Ein Militärputsch kann nicht demokratisch sein

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan verurteilte am Freitag den Militärputsch gegen den demokratisch gewählten und damit legitimen Präsidenten Ägyptens. Dabei geißelte er auch die Haltung des Westens, wo man sich weigert, den Sturz Mursis als Putsch zu bezeichnen. „Es spielt keine Rolle, wo so etwas stattfindet. Ein Militärputsch ist undemokratisch. Es bedroht das Fundament einer demokratischen Gesellschaft“, sagte Erdoğan.

Erst im Mai gewährte die Türkei den Ägyptern einen Rüstungskredit in Höhe von 250 Millionen US-Dollar. Das sollte der erste Kredit werden, der die bilaterale Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Ägypten im militärischen Bereich befeuern sollte.

Zudem interessierte sich die ägyptische Regierung sehr für die TAI Anka (dt.: Phönix), ein unbemanntes Luftfahrzeug des türkischen Herstellers Turkish Aerospace Industries (TAI). Den Verkauf von insgesamt 10 Ankas besprach Erdoğan mit Mursi zuletzt im November. In einem weiteren Deal erwarben die Ägypter 6 MRTP-20 Kampfschiffe, die für den Küstenschutz konzipiert wurden. Drei dieser Schiffe sollen in Istanbul gebaut werden, die restlichen drei Schiffe dagegen im ägyptischen Alexandria.

Interesse an starkem Ägypten als Partner

Die türkische Rüstungsindustrie ging bisher davon aus, dass sich Deals auch auf den Handel mit Korvetten, gepanzerten Fahrzeugen, Schulflugzeugen und verschiedensten Kampfhubschraubern ausweiten könnte. Die politische Entwicklung am Nil sei nun aber erst mal abzuwarten. Ein starkes Ägypten würde erheblich zur Stabilisierung der geopolitischen Kräfte beitragen und wäre aus Sicht der regionalen Ambitionen der Türkei ein wichtiger Partner.