Archiv-Foto

China hat die Unterdrückung der muslimischen Uiguren bis dato geleugnet. Langwierige Recherchen von internationalen Journalisten belegten vor einigen Wochen, dass an den vielen Berichten aber tatsächlich etwas dran ist. Jetzt versuchen auch Sportler und sogenannte Influencer auf die Situation aufmerksam zu machen und ernten dafür teilweise heftige Kritik.

Mesut Özil hat sich in jüngster Vergangenheit zweifelsohne von einem fußballerischen Superstar zu einer politischen Figur entwickelt, die nunmehr für Schlagzeilen abseits des Platzes sorgt. Grund dafür war vor allem ein Foto des Arsenal-Kickers mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan im vergangenen Jahr. Özil wurde für die Aufnahme und das Treffen heftig kritisiert und trat am Ende sogar aus der deutschen Nationalmannschaft zurück. In diesem Jahr wurde über Özil vor allem im Zusammenhang mit einem bewaffneten Raubüberfall auf ihn berichtet.

Nun sorgt der ehemalige deutsche Nationalspieler erneut für Aufsehen. Özil äußerte sich kürzlich in den sozialen Medien über die Situation der Uiguren. Dabei verurteilte er vor allem das Schweigen der muslimischen Länder und Medien. „Selbst in den westlichen Medien und Staaten wird dieses Thema seit Monaten behandelt. Wo sind die muslimischen Staaten und Medien?“, fragte der 31-jährige in dem in türkischer Sprache verfassten Post, der eine ähnliche Reichweite erreichte wie seine Tweets zum Rücktritt aus der DFB-Elf.

China zieht Konsequenzen aus Özil-Statement

Das hat nun anscheinend den Ärger der chinesischen Behörden auf sich gezogen. Und das hat Konsequenzen für den Klub, bei dem er unter Vertrag steht. So strich das chinesische Staatsfernsehen laut Medienberichten die Übertragung des Topspiels zwischen Arsenal und Manchester City, das City am Wochenende mit 3:0 gewann. Die chinesische Zeitung „Global Times“ berichtete auf ihrem englischsprachigen Twitter-Account, der Sender CCTV habe die Partie nicht ausgestrahlt, weil Özils „falsche Kommentare“ die chinesischen Fans und den nationalen Fußballverband „enttäuscht“ hätten.

„China Cables“ belegen Unterdrückungsmaßnahmen

Während das Statement in Fernost also Irritationen auslöste, distanzierte sich Arsenal ebenfalls von Özils Äußerungen. Der Inhalt stelle die persönliche Meinung des Spielers dar, teilten die Gunners dem chinesischen Mikroblogging-Dienst Weibo mit. Arsenal halte sich an das Prinzip, keine politischen Erklärungen abzugeben. Die Reaktion der Londoner kann laut eines Berichts des „Guardian“ auch wirtschaftliche Interessen haben. Demnach ist der Club in China an einer Restaurantkette beteiligt.

Die Menschenrechtsverletzungen, von denen die muslimische Minderheit der Uiguren offenbar seit Jahren betroffen sind, wurden erst im November durch journalistische Recherchen belegt. Die „China Cables“, veröffentlicht vom Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ), zeigen deutlich, dass die in Peking als „Weiterbildungseinrichtungen“ bezeichneten Lager in Wirklichkeit streng bewachte Einrichtungen zur Umerziehung sind. Nach offiziell unbestätigten Schätzungen sind Hunderttausende Uiguren in diese sogenannten Umerziehungslager interniert worden.

 

Uiguren sind ethnisch mit den Türken verwandt und fühlen sich von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan der Volksrepublik einverleibt. Peking wirft uigurischen Gruppen Terrorismus und Separatismus vor.

Kritik in South Park-Szene

Die chinesische Regierung bekommt auch von anderen Stellen Gegenwind für den sehr fragwürdigen Umgang mit der muslimischen Minderheit. So kritisiert die beliebte US-amerikanische Animationsserie „South Park“ die Unterdrückung der Uiguren in einer Szene scharf.

Und auch deutsche Influencer nutzen ihre Reichweite, um auf die Situation in Xinjiang aufmerksam zu machen. Der Instagram-Comedian „fat.comedy“ etwa flitzte mit einem mit der uigurischen Fahne bedruckten Pullover während der Aufwärmphase eines Fußballspiels der 2. Bundesliga aufs Feld und wurde wenig später von Sicherheitsleuten abgefangen. Anschließend veröffentlichte er ein Statement, das auf Instagram über 360.000 mal aufgerufen wurde. „Ich wollte lediglich auf dieses Thema aufmerksam machen, dass Menschen gegen ihren Willen unterdrückt werden“, so der Comedian. Dass er bei der Aktion einen Ordner verletzt habe, tue ihm leid.