Der Aufruf „Nicht in unserem Namen“ gegen die Kriegshetze in Europa, der von namhaften Persönlichkeiten unterzeichnet wurde, droht nun nicht mehr in der Versenkung des Unerwähntbleibens zu versinken. War es bisher nur gelungen, diesen dadurch unter die Leute zu bringen, indem er als Anzeige in der ZEIT erschien, so polemisieren nun so viele andere Medien dagegen, dass sicher die interessierten Bürgerinnen und Bürger mal nachgucken werden, was es denn damit auf sich hat.

Transatlantiker Ruprecht Polenz darf in genau der Zeit dagegen halten, die die Gebühr für die Anzeige sicher schon eingestrichen hatte. In der Gesamtschau kommen die Gegenstimmen einer gezielten Kampagne gleich: Die Welt wartet mit einem kritischen Kommentar von Karl Schlögel auf, der als Osteuropa-Historiker inzwischen zu einer anti-russichen Meinung gefunden hat, und der sinnigerweise mit seiner Frau abgebildet wird. Man will ja nichts Böses unterstellen, aber da sie Russin ist und als solche extra bezeichnet wird, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um einen altbekannten Trick handelt – der normalerweise so daher kommt: „Mein bester Freund ist Jude…“.

Auf derlei Durchschaubarkeiten verzichtet die FAZ. Sie verlegt sich darauf, Altkanzler Schröder, der neben Roman Herzog, Mario Adorf, Eugen Ruge, Herta Däubler-Gmelin, Wim Wenders und vielen anderen Prominenten, den Aufruf unterzeichnete, Gedächtnisschwund zu attestieren. Auch dieser Trick ist allerdings nicht unbekannt, die gute alte ad-hominem-Attacke, wenn die Argumente ausgehen.

Und hier reihen sie sich ein, bis hin zur Frankfurter Rundschau, bei der man kürzlich erst den Verdacht hatte, dass sie nach einem neuen Profil suche und für die FAZ so etwas wie eine Bad Bank werden könne – worin man die Themen und Meinungen auslagern könnte, die für die insgesamt doch recht meinungsplurale FAZ zu gewagt sind. Hier ist nun allerdings Konformismus angesagt.

Verhallt sind all die Warnungen von Gabriele Krone-Schmalz bis zum ARD-Programmbeirat. Die Eskalationsagenda steht nicht in Frage. Die attestierte Einseitigkeit in der Ukraine- und Russlandberichterstattung soll bleiben. Putinbashing unangetastet.

Auch dürfte die Programmbeschwerde gegen die Nichtberichterstattung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk von Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer ebenso folgenlos bleiben, wie die vorherigen – ebenso berechtigten: http://www.hintergrund.de/201407143167/hintergrund/medien/alles-richtig-gemacht.html.

Dass es auch anders geht, aber unklar ist, woher der andere Wind plötzlich weht, kann man an den jüngsten Kommentaren zu den Atomverhandlungen mit dem Iran sehen. Beispielsweise ist im Deutschlandfunk nun immer wieder die Rede davon, dass man im Gespräch bleiben müsse und sich die Dinge irgendwie positiv entwickeln könnten. Man staunt, hat sich doch nichts verändert. Warum diese Ausrichtung in Sachen Ukraine-Russland nicht gelten soll, bleibt das Geheimnis unserer Medienblackboxes.