Die beiden Männer baten mit einem Video um Unterstützung, um nicht in die Türkei abgeschoben zu werden. Screenshot: Video von Samet Güre und Salih Fidan / Twitter
Die beiden Männer baten mit einem Video um Unterstützung, um nicht in die Türkei abgeschoben zu werden. Screenshot: Video von Samet Güre und Salih Fidan / Twitter

Die türkische Regierung hat erneut Kritiker im Ausland festnehmen lassen, um sie ins eigene Land zu überführen. Bei den Festgenommenen soll es sich um die Lehrer Salih Fidan und Samet Güre handeln. In einer Pressemitteilung von Mittwochabend teilte das türkische Innenministerium mit, dass Fidan und Güre nach „Gesprächen mit den ukrainischen Behörden“ an türkische Beamte übergeben und danach in die Türkei gebracht worden seien.

Den zwei Männern werde Mitgliedschaft in einer „bewaffneten terroristischen Organisation“ vorgeworfen, weil sie unter anderem an Schulen der Gülen-Bewegung gearbeitet hätten. Außerdem sei einer der beiden kurz nach dem Putschversuch aus der Türkei geflüchtet und leite seitdem die Aktivitäten der Bewegung im irakischen Bagdad. Der andere Lehrer sei schon länger in der irakischen Region Arbil tätig gewesen und habe nach dem Korruptionsskandal um hochrangige Politiker in der Türkei Ende 2013 Geld auf sein Konto bei der „Bank Asya“ eingezahlt.

All diese Aktivitäten werden in der Türkei im Rahmen des Vorgehens gegen die Gülen-Bewegung kurioserweise als Belege für Terrorismus bewertet. Die Bewegung selbst spricht von einer Hexenjagd. Insbesondere seit dem Putschversuch 2016 wurden hunderttausende vermeintliche oder tatsächliche Gülen-Anhänger festgenommen, zehntausende mussten ins Ausland flüchten. Doch selbst im Ausland sind viele von ihnen nicht sicher: Einige wurden bereits illegal entführt und in die Türkei gebracht. International stößt die Vorgehensweise der türkischen Regierung auf harte Kritik.

Männer machen mit Video auf Situation aufmerksam

Die Männer, die sich seit einiger Zeit in der Ukraine aufhielten, wurden nach eigenen Angaben kurz vor Jahreswechsel in der Stadt Rava-Ruska festgenommen und zum Boryspil-Flughafen in Kiew gebracht. Hier kauften sie sich Flugtickets nach Dubai, um von dort aus weiter in den Irak zu fliegen. Nach der Passkontrolle wurden die beiden allerdings nicht in den Flieger gelassen.

Dann sollen drei türkische Beamte gekommen sein, was bei den beiden den Verdacht aufkeimen ließ, dass es sich um eine politisch motivierte Verhaftung handele. Auch ihre Versuche, Asyl in der Ukraine zu beantragen, seien gescheitert.

Regierungsanhänger feiern Entführung

Wie das türkische Innenministerium mitteilte, sollen die beiden durch die Staatsanwaltschaft Ankara verhört werden. Türkische Regierungsanhänger feiern die Entführung der beiden Männer aus dem Ausland. Auf Twitter beglückwünschten sie die Regierung für die Aktion und beschimpften die beiden Männer mit wüsten Worten.