Seit dem heutigen Montag muss sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen mutmaßlicher Steuervergehen vor Gericht verantworten.

Mit großem Medienrummel hat am Montag in München der mit Spannung erwartete Steuerprozess gegen Uli Hoeneß begonnen. Der Präsident des FC Bayern soll mit Konten in der Schweiz Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Eine Kernfrage in dem Verfahren wird sein, ob die Wirtschaftskammer am Landgericht München II unter Vorsitz von Richter Rupert Heindl die Selbstanzeige von Hoeneß von Anfang 2013 ganz oder wenigstens teilweise anerkennt (Az: W5 KLs 68 Js 3284/13). Dem 62-Jährigen droht eine Haftstrafe.

Hoeneß fuhr in einem dunklen Wagen vor Gericht vor und ging über einen Hintereingang ins Gebäude. Fünf Minuten vor dem offiziellen Beginn der Verhandlung schritt er in den Saal. Der Bayern-Boss rang sich sogar ein Lächeln ab. In einem dunklen Anzug und mit einer weinroten Krawatte stand er lange für die Fotografen mit seinen Anwälten Motiv. Um Punkt 9.30 Uhr nahm Hoeneß vor Gericht Platz – die Verhandlung begann.

Mit großem Interesse wird verfolgt, ob und wie sich Hoeneß nach der Verlesung des Anklagesatzes äußert. Zuletzt hatte sich der Bayern-Präsident nicht mehr in der Öffentlichkeit geäußert. Für den Nachmittag sind dann drei der insgesamt vier Zeugen geladen. Darunter auch der Steuerfahnder, der Hoeneß bei dessen Selbstanzeige geholfen hatte. Vier Verhandlungstage sind angesetzt. Wenn nichts dazwischen kommt, soll es am Donnerstag ein Urteil geben.

Mehr als 33 Millionen Euro sollen im Spiel sein

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Bayern-Präsident Uli Hoeneß, Steuern in Höhe von insgesamt 3,5 Millionen Euro hinterzogen zu haben. Staatsanwaltschaft Achim von Engel warf ihm am Montag zum Prozessauftakt in München vor, Einkünfte in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro beim Finanzamt verschwiegen zu haben. Die Anklage lautet auf Steuerhinterziehung in sieben selbstständigen Fällen. Zudem habe Hoeneß zu Unrecht Verluste aus Geldgeschäften angegeben und daraus Steuervorteile in Höhe von 5,5 Millionen Euro erhalten.

In der Zeit zwischen 2001 bis 2006 soll Hoeneß im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz spekuliert haben. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben. „Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagte Hoeneß im Mai 2013 der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Bundesrat lässt Doppelbesteuerungsabkommen scheitern

Nach der Unterzeichnung eines neuen Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz im Oktober 2010 und eines Zusatzprotokolls im Jahre 2012 sollen Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden. Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern. Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande.

Im Januar 2013 zeigt Hoeneß sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Der FC-Bayern-Präsident hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.

Am 20. März 2013 bekommt Hoeneß in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt – angeblich gegen Zahlung einer hohen Kaution.

Am 20. April 2013 macht der „Focus“ den Fall öffentlich. Das Magazin berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst. Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG. Am 30. Juli 2013 erhebt die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

Unterstützer verweisen auf enormes soziales Engagement Hoeneß‘

Am 23. Januar 2014 lässt die Staatsanwaltschaft München bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß‘ Steuerakte an die Presse weiter. Hoeneß hatte Strafanzeige gestellt.

Im Internet haben sich seit Bekanntwerden der Vorwürfe zahlreiche Solidaritätsgruppen mit Uli Hoeneß gebildet. Dass Hoeneß von Politik und Medien wie eine Unperson behandelt werde, sei nach Meinung seiner Unterstützer das Zeichen einer fatalen Neidkultur in Deutschland, die erfolgreichen Menschen bewusst das Leben schwermachen wolle. Man verweist auf das umfangreiche soziale Engagement des Bayern-Präsidenten und darauf, dass die Politik eine sinnvolle Lösung im Zusammenhang mit der Besteuerung von Vermögenswerten in der Schweiz aus durchsichtigen Gründen scheitern ließ.

Mehr Informationen zum Hoeneß-Prozess hier. (dpa/dtj)